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Impulse zur Krisenbewältigung

Auf Initiative der bürgerlichen Parteien, der Glarner Handelskammer und des Gewerbeverbands des Kantons Glarus muss der Gemeinderat Glarus entscheiden, ob die Konzessionsabgabe von einem Rappen pro Kilowattstunde – der «Öko-Rappen» – für zwei Jahre ausgesetzt wird. Die Klimabewegung Glarus wartet gespannt auf das Ergebnis.


Die Gemeindeversammlung vom 29. November 2019 hat mit dem «Öko-Rappen» ein klimarelevantes Instrument geschaffen. Die Klimabewegung setzte sich für eine Erhöhung der Konzessionsabgabe auf fünf Rappen, statt eine Senkung um zehn Prozent ein.



Vertreter bürgerlicher Parteien und der Wirtschaftsverbände forderten die Streichung der Konzessionsabgabe und den Verzicht auf den Energiefonds. Letztlich sprachen sich die Stimmenden für die Konzessionsabgabe und deren Zweckbindung aus.


Gemeinsamer Zweck, demokratisch entschieden


Obwohl der Antrag des Gemeinderats für die Klimabewegung zu wenig weit ging, akzeptierte sie den Entscheid der Gemeindeversammlung. Die bürgerlichen Parteien und die Wirtschaftsverbände hingegen fordern sechs Monate später, den «Öko-Rappen» zwecks Linderung der Pandemie-Folgen zu sistieren.



Die Klimabewegung ist sich der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen von Krisen bewusst. Sie setzt sich seit über einem Jahr im Kanton Glarus aktiv für den Umgang mit der Klimakrise ein. Die Corona- und die Klimakrise betreffen alle. Die Klimabewegung setzt sich darum zum Beispiel für den «Öko-Rappen», aber nicht gegen die Corona-Hilfspakete für die Glarner Wirtschaft ein.


Konstruktiver, öffentlich zugänglicher Dialog


Die Klimabewegung Glarus ist an der Diskussion über die Folgen des Klimawandels mit der Bevölkerung interessiert. Für die Sensibilisierung bevorzugt sie den öffentlichen Dialog. Die erneute Debatte um den «Öko-Rappen» haben die bürgerlichen Parteien und die Wirtschaftsverbände öffentlich lanciert.



Die Klimabewegung hat der Gemeinde Glarus ihre Sicht übermittelt. Nach dem Entscheid kann sie sich einen öffentlich zugänglichen Dialog darüber vorstellen, wie die Glarner Wirtschaft die Corona- und die Klimakrise überwinden könnte – zum Beispiel an einem der nächsten Klimatreffen in Glarus.


Energiefonds versus Investitionsrechnung


Die Klimabewegung unterstützt alle Massnahmen, die helfen, den Klimawandel nicht weiter zu verschärfen. Auch die Finanzierung gemeindeeigener Projekte im Bereich Energieeffizienz via Investitionsrechnung ist deshalb interessant.



Im Unterschied zum verursachergerechten Ansatz des «Öko-Rappens» mit dem dazugehörigen Energiefonds fehlt beim Weg via Investitionsrechnung die verbrauchsreduzierende Wirkung. Und: Beim Ansatz «Investitionsrechnung» stehen die Mittel innerhalb einer Frist bereit – im Energiefonds können sie angesammelt werden, bis ein sinnvolles Projekt umsetzbar ist.


Energieeffizienz als Ziel


Grosse Stromverbraucher haben heute ab 100’000 Kilowattstunden Verbrauch die Möglichkeit, Energie im freien Strommarkt einzukaufen. Um die Verschärfung des Klimawandels abzuwenden, müssen die Treibhausgasemissionen aber durch die Förderung erneuerbarer Energie reduziert werden.



Der «Öko-Rappen» auf kommunaler und das künftige Energiegesetz auf kantonaler Ebene verfolgen diesen Zweck. Ein Betrieb kann zum Beispiel Strom aus erneuerbarer Sonnenenergie selber produzieren und spart dadurch die Konzessionsabgabe. Unternehmen stehen für solche Investitionen nicht nur Mittel aus dem kantonalen Energiefonds zur Verfügung, der mit dem Energiegesetz zusammenhängt, sondern auch zahlreiche weitere Förderprogramme.



Energiefranken – Lösungen für Glarner Unternehmen


Über die Folgen des Klimawandels bestehen seit 50 Jahren wissenschaftliche Erkenntnisse, auf welche Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit Jahrzehnten reagieren könnten. Die Klimabewegung masst sich nicht an, einzelne Unternehmen schnell und einfach aus der Coronakrise zu bringen. Sie empfiehlt aber, jetzt Investitionen in den Klimaschutz auszulösen.



Nebst grosszügigen kantonalen Förder- und Beratungsprogrammen haben Firmen, insbesondere Grossverbraucher, Zugriff auf zahlreiche Programme. Auf www.energiefranken.ch sind für Glarus im Bereich «Business» gut 50 Möglichkeiten aufgeführt. Die Klimabewegung Glarus streicht fünf heraus.


1 – Stromeinsparungen

Stromsparende Projekte mit Investitionen für den Ersatz einer alten Anlage über 70'000 Franken erhalten einen Förderbeitrag von bis zu 30 Prozent der Investitionskosten. Die Förderstelle ProKilowatt (Bundesamt für Energie BFE) unterstützt die Umrüstung von Anlagen in den Bereichen Beleuchtung, Kälte, Belüftung, Pumpen, elektrische Motoren, Produktionsanlagen, Rechenzentren, Transformatoren etc.



2 – Innovationsprojekte

Leistet ein KMU durch neue Produkte und Technologieentwicklungen einen Beitrag zum Klimaschutz, kann es finanzielle Unterstützung durch die Klimastiftung Schweiz beantragen. Die Voraussetzung: Das KMU ist in der Schweiz oder in Liechtenstein zuhause und hat maximal 250 Mitarbeitende.



3 – HotelWatt

Das Förderprogramm HotelWatt unterstützt Hotels beim Strom sparen: Die Förderstelle Energie Zukunft Schweiz zeigt, wo sich die grössten Stromfresser verstecken und welche effizienten Alternativen zum Betrieb passen. So spart ein Hotel Strom, Kosten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit.



4 – Optimierung von elektrischen Antrieben

Egal, ob es sich um einen einfachen Ersatz, eine Umbaumassnahme, vorzeitigen Unterhalt oder konzeptionelle Verbesserungen handelt: Projekte im Programmrahmen der Förderstelle Speed II werden kostenlos energetisch beurteilt und mit bis zu 40 Prozent der Investitionskosten gefördert.


Bild: Kontaktstelle für Wirtschaft des Kantons Glarus (Samuel Trümpy)


5 – Bergbahnen 2.0 – Effizienz-Massnahmen bei Bergbahnen

Das Programm der Förderstelle grischconsulta unterstützt den vorzeitigen Ersatz von Antriebsmotoren oder von energieintensiven Schneeerzeugern, die Einführung eines bedarfsabhängigen Betriebes von Umlaufbahnen sowie die Regelung und Steuerung von Schachtheizungen.


Bild: Kantons Glarus (Samuel Trümpy)


Südostschweiz Glarus 17.06.2020
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Quelle: Dieser Beitrag ist durch ehrenamtliche Zusammenarbeit im Rahmen der Klimabewegung Glarus entstanden.

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