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Laute(r) Aufmerksamkeit

Dieses Jahr habe ich den 1. August am 31. Juli gefeiert. Was in Oberurnen GL Tradition ist, hat Rothenthurm SZ früher umgekehrt gemacht. Hört sich das schon interessant genug an, um weiterzulesen?


Früher feierten die Rothenthurmer:innen den Nationalfeiertag aus Protest am 2. August. Sie wehrten sich gegen einen Waffenplatz. Aus dem Aufstand entstand der Schutz der Moore. Eine durchaus patriotische Tat also – und ein Kampf zwischen David und Goliath, zwischen einem kleinen Dorf und einer grossen Armee.


Die Rothenthurm-Initiative erreichte die Aufmerksamkeit, die es für ein Ja an der Urne brauchte. Auch am 1. August geht es um Aufmerksamkeit: Wer zündet die grösste Rakete? Wer dominiert mit dem lautesten Knaller? Wer kriegt am meisten Applaus? Cool mal gescheiter down: Wie es am Montag im putzigen Oberurnen war, steht drüben im Kulturblog. Es war spektakulär unspektakulär: gemütlich, friedlich, schön und umsonst.



Doch ich muss zugeben: Auch ich blieb am 1. August nicht ungetrieben von der Aufmerksamkeit. Gestern erschienen wieder keine Neuigkeiten wie an jedem Monatsersten. Schliesslich muss ein:e Blogger:in dranbleiben am Publikum. So hat es mir letzte Woche eine ehemalige Influencerin gesagt: «Du kannst dir keine Pause gönnen, sonst bist du gleich weg vom Fenster.»


Influencer bin ich zwar nicht. Ich mach's immer gratis. Dafür mach ich's immer, wie ich's will. Trotzdem: Auf jeden Beitrag, jeden Post, jeden Newsletter folgt die Phase, in der ich schaue, wie das digital ankommt, was ich gemacht habe. Ziemlich dumm, weil ohne Reichweitenverstärkung (bezahlte Ads oder gekaufte Follower) geht die Post sowieso nicht ab.



Gleichzeitig ist es mir ganz recht, wenn die Post nicht abgeht – oder heisst es der Post? Ich habe noch nie verstanden, was das mit der Reichweite soll. Und der Skalierung – oder heisst es die Skalierung? Es geht immer um viel, um mehr, um grösser. Eigentlich geht es doch darum, dass Menschen eine Botschaft finden, die sie anregt und ihnen irgendwie gut tut.


Zwar bin ich studierter Ökonom und praktizierender Kommunikationsberater. Aber ich bleibe nicht davon überzeugt, durch Masse Klasse zu erreichen. Das hält die Menschen davon ab, sich selbst zu entscheiden, welche Botschaften für sie und ihr gutes Leben wichtig sind.


Frohe Botschaften, wie etwa, dass an vielen Orten der Welt kein Krieg ist. Oder traurige Botschaften, wie etwa, dass Menschen in Not sind und ein neues Zuhause brauchen. Ein Zuhause, wie wir es gestern in der Schweiz gefeiert haben. Ein Zuhause, von dem auch die Festrednerin am 31. Juli 2023 in Oberurnen gesprochen hat. Ein Zuhause, wie ich es im August-Newsletter beschreibe.



Und – geht da jetzt die Post ab? Oder braucht es noch eine andere Geschichte?


Da bietet sich eine aus meiner Spotify Playlist an. Der in Syrien geborene und aufgewachsene Yousef Kekhia (die Autokorrektur verfälscht immer seinen Nachnamen) verarbeitete auf seiner Debütplatte «Monologue» seine Krebserkrankung, Depressionen, verlorene Liebe und lange Jahre der Flucht vor dem Krieg, des dauernden Weggehens und niemals Ankommens.


«Musik war das Einzige, was als Ausflucht diente, sie war so etwas wie der Ort der Heilung für mich, der Raum, der es mir erlaubte, über manche Dinge hinwegzukommen und sie auszudrücken.» Yousef Kekhia, Musiker

Ja – auch Yousef ist auf Reichweite angewiesen, auf die Stimulierung des Algorithmus', damit er gehört wird. Dabei bietet er etwas Wunderschönes: Er trägt seine innere Energie nach aussen, die das Innere anderer erreichen kann, und hinterlässt als Nebenwirkung Heilung bei den Empfänger:innen.



Ich glaube, es lohnt sich Yousef Kekhia zu folgen, und er freut sich darüber, andere mit auf seinen Weg zu nehmen und ihn zu einem gemeinsamen Weg zu machen. Und dann geht die oder der Post ab. Die Einladung steht.


PS:


Nachdem ich bei diesem Beitrag auf «veröffentlichen» geklickt haben werde, wird folgende Aufforderung erscheinen.



Selber Schuld, ich muss ja nicht bloggen. Doch, muss ich und will ich. Wie Yousef Musik machen muss und machen will. Genau deshalb liebe ich dich, auch wenn du klein bist: mein Publikum.

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