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Mach's gut!

Gerade bleibt ein Abschiedsgruss an mir hängen. Darüber mache ich mir viel zu viele Gedanken – und die werde ich jetzt mal los.


Es war eine zufällige Begegnung bei der Futterbeschaffung. Durch das Warten in der Schlange, das Raucherdasein und die exakt gleiche Bestellung entstand für eine kurze Zeit eine gewisse Verbundenheit. Am Ende mussten beide klar stellen, dass wir getrennt bezahlen.



Ganz das Ende war der Bezahlungsvorgang allerdings nicht. Das Ende war der Abschiedsgruss. Und der lautete vom Gegenüber: «Mach's gut!» Danach stellte ich fest, dass ich diesen Abschiedsgruss nie verwende und er mich immer irritiert.


Ab auf die goldene Waage


Mehr als zehn Minuten googeln mag ich zwar nicht, aber ein bisschen mehr Wissen über die Bedeutung von «Mach's gut!» wäre mir recht. Ergebnis nach zehn Minuten: Der Abschiedsgruss kommt bei einer längeren Abwesenheit oder bei anstehenden Problemen der gegrüssten Person zur Anwendung. Er setzt ein vertrautes Verhältnis voraus.


Eigentlich noch schön. Doch bei mir kommt «Mach's gut!» immer noch so an, dass es um eine längere oder endgültige Abwesenheit der grüssenden Person geht. Im Stil von: «War nett, aber verpiss dich!» oder «Ich melde mich, wenn ich Lust habe – solange musst du warten!»



Der Blick in's Forum von Elite Partner offenbart, dass ich nicht alleine bin mit meiner Irritation. Er offenbart aber auch, dass Nachdenken über eine Floskel auswuchern kann. Ich finde an «Mach's gut!» anstrengend, dass was zwischen den Zeilen steht – ich bleibe lieber bei «Tschüss».


Voll in der Floskel-Falle


Passend zu «Mach's gut!» verunsichern mich auch «Alles gut!» oder «Bis bald!». Das Erste ist für mich eine Gesprächsverweigerung. Und das Zweite kann sowohl eine Erwartung des Absenders sein, als auch eine Erwartung beim Empfänger auslösen – bloss, wie lange dauert es bis bald für die eine und wie lange für die andere Person?



«Alles gut» habe ich mir inzwischen auch angewöhnt, eher als (eröffnende) Frage, anstatt als (finale) Feststellung. «Bis bald!» gibt's von mir, wenn eine erneute Begegnung in Aussicht steht – sonst ist auch in diesem Fall das einfache «Tschüss« mein Favorit.


Im Glarnerland habe ich einen Abschiedsgruss kennengelernt, den ich sehr mag: «Mir gsäänd üüs!» Er drückt Selbstbewusstsein, Zuversicht und Klarheit im Verhältnis der beteiligten Personen aus. Und es gibt nichts zwischen den Zeilen zu lesen.


Schon wieder was zu lernen


Spätestens an dieser Gedankenstelle würde «Alles gut!» ziemlich gut passen. Dann müsste ich mir nicht weiter überlegen, woher diese Empfindsamkeit kommt. Eine Podcast-Folge der Knotenlösen GmbH beginnt vielversprechend, um weiter überlegen zu können:


«Jedes Wort kann eine Beleidigung sein. Zuspätkommen kann als grosse Respektlosigkeit gesehen werden. Aber auch Nichtssagen wird schon schnell krumm genommen. Wie gehen wir mit der neuen Sensibilität, manche sagen Überempfindlichkeit dazu, um? Was braucht es, um in einen sinnvollen Dialog zu kommen?»

Dann höre ich da mal rein und wer wissen will, wie ich mit «Mach's gut» und dergleichen vielleicht lerne umzugehen, hört am besten gleich mit. Spannend ist schon mal, was im Begleittext steht: «Aus der neuen Sensibilität dürfen keine neuen Ansprüche an andere entstehen. Mehr Sensibilität sollte mehr Toleranz mit sich bringen, statt mehr Intoleranz.»


Grenzenloser Vorbehalt


Ein Instrument gegen Überempfindlichkeit ist in der Jugendsprache zu finden. No Front steht für die Klarstellung, dass das Gesagte oder Geschriebene nicht verletzend oder beleidigend gemeint ist und nicht persönlich genommen werden soll. Der Ausdruck ist als sprachliches Mittel für gewaltfreie Kommunikation gedacht.


Na dann – no front – mach's gut und bis bald!



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