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Michael

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Im diesjährigen Pride-Monat ist der letzte Sonntag auch der Jahrestag des Stonewall-Aufstands. Musikalisch gehört er in dieser Serie einem Evergreen.


Michael Stipe | Bild: John Mathew Smith & www.celebrity-photos.com from Laurel Maryland, USA (Wikimedia)
Michael Stipe | Bild: John Mathew Smith & www.celebrity-photos.com from Laurel Maryland, USA (Wikimedia)

Der Song «Losing my Religion» von R.E.M. liegt mir seit der Zurich Pride 2026 im Ohr. Am Ende des Demonstrationsumzugs beim Hafen Enge heulte ein Remix davon durch die Boxen und berührte mich. Das tat schon das Original von 1991, als ich ein Teenager war. Nur drei Jahre später begann ich wenige Meter vom Hafen Enge bei der Rentenanstalt/Swiss Life zu arbeiten. Das bedeutete auch den Beginn meines queeren Lebens.



Wie ein Teenager oder als Baby Queer verhielt ich mich am 21. Juni 2026 zwar nicht. Es war viel zu heiss, um zu tanzen. Also fuhr ich gleich nach der Demo wieder heim. Aber den Evergreen wieder gefunden zu haben, trug mich durch die ganze Woche.


Es war eine Woche, in der ich mich auf den tatsächlichen Christopher Street Day vom 28. Juni 2026 freute. Ich feierte ihn heute wandernd im Klöntal. Es war eine kleine und feine Aktion, an dem viel mehr Menschen teilnahmen, als zu erwarten waren.


Christopher Street Day in Wandermontur



Der Juni ist der Pride-Monat und erinnert an den Stonewall-Aufstand vom 28. Juni 1969 in New York – ein zentraler Befreiungsschlag für die LGBTIQ Community. Während deswegen landauf landab Pride-Paraden stattfinden, hat der Glarner Verein «Hössli Haus» den Jahrestag mit einer Wanderung ins autofreie Klöntal gefeiert.


Eine Schar von 31 Personen hat sich am heutigen Christopher Street Day (CSD) vom Bahnhof Glarus zu Fuss ins Klöntal gemacht. Den ersten Slow Sunday verknüpfte der Verein «Hössli Haus» kurzerhand mit dem 57. Jahrestag der queeren Community.


Nach einem Abstecher zu Heinrich Hösslis Geburtshaus an der Abschläschstrasse wanderten die Teilnehmer:innen aus dem Kanton Glarus und weiteren Ostschweizer Kantonen sowie aus Zürich via Riedern und der Löntsch entlang zum Klöntalersee.



Lebendige queere Geschichte

2025 lockte der Trägerverein der ersten Glarus Pride rund 800 Besucher:innen nach Glarus. Als nächstes plant er den Besuch der Khur Pride am 29. August im benachbarten Graubünden. Bereits am 29. April ging es an die Mini.Pride im Toggenburger Städtchen Lichtensteig.


Der Verein will Heinrich Hösslis Geburtshaus nutzen. Der Glarner Hutmacher (1784 bis 1864) schrieb als erster ein Buch über die Männerliebe. Das Clubhaus Schweiz würde das Haus tagsüber beleben. Ein Clubhaus ermöglicht Menschen mit psychiatrischer Erfahrung ein selbstbestimmtes Leben. Der Verein «Hössli Haus» würde es abends und am Wochenende als Begegnungsort nutzen.


Traum gelebter Vielfalt verwirklichen


R.E.M. (rapid eye movement) bezeichnet eine Schlafphase, in der sich die Augen sehr schnell unter den Lidern bewegen. Sie nimmt bei Erwachsenen 20 bis 25 Prozent des Schlafes ein, also eine bis eineinhalb Stunden, in der Regel am Ende der Nacht beziehungsweise des Schlafens. In dieser Phase treten die meistens Träume auf.


Den Bandnamen fand Sänger Michael Stipe zufällig in einem Wörterbuch. Inzwischen sind Michael 66 Jahre alt und die R.E.M. aufgelöst. Die Band wurde 1980 im US-Bundesstaat Georgia gegründet und gilt als Pionierin des Alternative Rock. Ihre erste Show spielten R.E.M. in einer verlassenen Kirche. Dazu passt ein anderer Remix von «Losing my Religion».



Dass Stipe sich 2001 als «queer» outetet und Beziehungen zu Frauen und Männern hatte, kam für viele nicht überraschend, war mir aber bis vor Kurzem nicht bekannt. Als 51-Jähriger sagte Michael in einem Interview, er habe Probleme mit dem Wort «gay». Auch mit «bisexuell» könne er wenig anfangen. Wohler fühle er sich mit «queer».


Mehr über Michael Stipe ist in den queer.de-Artikeln vom 8. März 2011 und 4. Januar 2025 zu lesen. Hörenswert ist die Folge von SWR1 Meilensteine vom 30. Dezember 2024.


Hörenswert ist auch der Remix von «Losing my Relegion», den ich am CSD von Zürich nicht mit Lautsprechern, dafür im Herzen ins Klöntal trug. Er berührt mich bei meinen Traum von gelebter Vielfalt: Dort, wo Fehler passieren dürfen, Vergeben leicht fällt und Selbstliebe als Schlüssel zu einem friedlichen Zusammenleben anerkannt ist.


So friedlich eben, wie es mit der queeren Schar im autofreien Klöntal war.



Save the Date


Nach dem Besuch der Mini.Pride und der CSD-Wanderung ins Klöntal ruft der Verein «Hössli Haus» zur Teilnahme an der Khur Pride im benachbarten Graubünden auf. Sie findet am 29. August 2026 statt.


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