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Adir

Aktualisiert: 5. Apr.

Letzter Sonntag im Monat. Zeit für Musik von queeren Künstler:innen. Dieses Mal mit Adir Jan aus Berlin und seinen kurdischen Wurzeln.


© Makis Asimakopoulos
© Makis Asimakopoulos

Nach Hamed Sinno aus dem Libanon im Januar und Asaf Avidan aus Israel im Februar wird's mit Adir Jan im März etwas leichter. Aber nur etwas. Jedenfalls war vor einer Woche Newroz, das kurdische Frühlingsfest. Und ein Fest des Widerstands.



Der Berliner Adir Jan singt über queere Liebe, gegen Gewalt und Homophobie. Oft musste er darüber reden, ob ein offen queeres Leben für jemanden mit kurdischen Wurzeln schwieriger ist als für andere. Er sieht die Sache unabhängig vom kulturellen oder religiösen Umfeld. Recht hat er: Intoleranz und Homophobie gibt es schliesslich überall.


Mehr über Adir und sein Debüt-Album Leyla von 2019 im Beitrag Kurdische Sounds & Kreuzberger Freiheit auf Deutschlandfunk Kultur.



Querness ist laut Fatma Parmaksiz, Leiterin des kurdischen Filmfestivals Berlin, aber schon ein Tabuthema. Deswegen lag der Schwerpunkt des Festivals 2024 auf LGBTQIA+. Der damals gezeigte Schweizer Spielfilm «Beyto» handelt von einem schwulen Mann, der von seiner Familie zwangsverheiratet wird. Ja, es geht um konservative Umfelder – aber auch um Comingout, Homosexualität, Liebe, Schmerz, Scham, Polyamorie, Pragmatismus und Happy End. Ein schöner Film, den es inzwischen auf Play Suisse zum Streamen gibt.



Auch Adir Jan sprengt laut Trikont Grenzen und schlägt Brücken: zwischen Abendland und Morgenland, zwischen Geschlechtern, zwischen Herzen und Seelen. Dabei geht es um die musikalische und transkulturelle Verarbeitung von Themen wie schwule und universelle Liebe, Trans- und Homophobie, Krieg und Kolonialismus und vieles mehr.


Adir leistet damit revolutionäre Pionierarbeit, weil niemand vorher über solche Themen in Sprachen wie Zaza, das Kurmancî-Kurdische und das Türkei-Türkische, geschrieben hat.



«Bardenkultur trifft Rock und die komplexe Schönheit kurdischer Tanzrhythmen. Lieder die gesungen werden müssen. Medizin gegen toxische Männlichkeit. Das ist poetische und politische Musik, die das Zeug hat, ein grosses Publikum zu erreichen.» Deutschlandfunk Kultur Tonart

Ebenfalls von Deutschlandfunk ist zu erfahren: Die Kurd:innen sind das grössste Volk ohne eigenen Staat. Ihr historisches Siedlungsgebiet liegt in Syrien, der Türkei, im Irak und Iran. In der Türkei leben mit rund 20 Millionen die meisten Kurdi:nnen. Den Audio-Beitrag gibt's hier mit Bildern, von denen die meisten aus dem kurdischen Autonomiegebiet im Irak stammen. Von dort kommt auch mein Barbier. Er spricht kaum über Politik und hat eigene Hühner.



Die kurdische Frage bleibt virulent. Solange die Türkei, Irak, Iran und Syrien die kollektive und individuelle Gleichberechtigung der auf ihrem Staatsgebiet siedelnden Kurd:innen ablehnen, werden sie für die Schaffung eines eigenen Staates kämpfen.


Gerade kommen die Kurd:innen wieder bei einem internationalen Konflikt ins Spiel, erneut in der Hoffnung, eine Antwort auf ihre Frage zu erhalten. Im Nordirak bereiten sie sich vor für ihren Einsatz Seite an Seite mit den USA und Israel gegen den Iran vor.


Vor nicht allzu langer Zeit halfen die Kurd:innen in Syrien im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Die kurdische Selbst­verwaltung galt als Modell für ein anderes Syrien, jetzt zerfällt sie. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Regime in Syrien ist, anders als im Audio-Beitrag des Deutschlandfunks erhofft, inzwischen besorgniserregend. Die anhaltenden Konflikte in Rojava gefährden die Wasserversorgung und Stromnetze. In Aleppo kommt es seit Anfang Januar zu schweren Kämpfen zwischen Dschihadisten, die im Auftrag der syrischen Armee kämpfen, und kurdischen Kräften.


In der Schweiz wurde der Bundesrat im Dezember 2025 durch eine parteiübergreifende Motion beauftragt, sich für den Schutz ethnischer und religiöser Minderheiten in Syrien einzusetzen. Eine Petition der SP Migrant:innen fordert, diese Motion umzusetzen und entsprechend zu handeln.


Siedlungsgebiete der Kurden | Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
Siedlungsgebiete der Kurden | Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Bevor es hier wieder musikalisch, queer und leichter wird: Ende März ist der syrische Übergangspräsident in Deutschland auf Staatsbesuch. Er braucht in Deutschland zur Ausschaffung vorgesehene syrische Straftäter für den Wiederaufbau seines Landes. Eigentlich wurde er mal als gesuchter Terrorist eingestuft. Der UN-Sicherheitsrat hob die Sanktionen gegen ihn am 6. November 2025 auf. Mehr zu seinem Besuch in Deutschland ist im SRF Rendez-vous vom 30. März 2026 zu hören.


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Am 25. April 2026 besucht der Verein «Hössli Haus» die Mini.Pride in Lichtensteig. Im Toggenburg wuchs auch der erste Schweizer auf, der sich selbstbewusst als schwul bezeichnete. Mehr darüber im Buch «Der Urning – selbstbewusst schwul vor 1900».

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