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Hamed

Aktualisiert: vor 10 Stunden

Letztes Jahr verführte mich der Pride-Monat dazu , die Persianer von einer Serie mit queeren Musiker:innen zu überzeugen. Sie zogen sie prompt weiter und versprachen ab Juli jeden letzten Sonntag im Monat eine neue Folge.


Das neue Jahr wäre die Gelegenheit gewesen, die Serie abzubrechen. Doch dann kam Hamed. Er ruft nach Fortsetzung bis mindestens zum nächsten Pride-Monat.



Hamed Sinno stammt aus dem Libanon und ist offen schwul. Seine frühere Band trat für religiöse und sexuelle Freiheit ein. Laut Mannschaft-Magazin erhielten die Familien der Bandmitglieder Todesdrohungen, Konzerte im Nahen Osten wurden willkürlich abgesagt und verboten. Im Zusammenhang mit einem Konzert mit Regenbogenfahnen wurden 30 Konzertgänger:innen verhaftet.


«Die Erfahrung hat meine mentale Gesundheit belastet, ich habe zwölf Kilo zugenommen. Wir wussten, dass wir eines Tages aufgrund unserer Texte und unserer Offenheit Probleme kriegen würden. Wir rechneten aber nicht damit, dass unser Publikum die Konsequenzen tragen müsste. Es ist wie eine schallende Ohrfeige.» Hamed Sinno, Leadsänger Mashrou‘ Leila

Auch Sarah Hegazy zeigte bei einer Show von Mahrou' Leila die Regenbogenflagge. Die ägyptischen Behörden verurteilten sie zu drei Monaten Gefängnis, wo sie gefoltert wurde. Hegazy beantragte Asyl in Kanada und nahm sich 2020 das Leben.


Zwei Jahre zuvor kam «Are You Still Certain?» (Bist du immer noch sicher?) von Hercules & Love Affair – das Projekt des offen schwulen DJ Andy Butler – als eine einfühlsame Ballade mit Hamed als Sänger heraus.



Mashrou’ Leila setzten laut SRF Kultur sich für sexuelle Freiheit und eine Vielfalt der Geschlechter ein. Sie singen in libanesischer Mundart gegen Gewalt an Frauen, über Religion, Terror und Korruption, vom Wunsch im Libanon eine neue Gesellschaft aufzubauen. Sie sind also hoch politisch.


Jordanische Zeitungen berichteten, dass die Politik der Band vorwirft, den Teufel anzubeten und dass ihre Botschaft den Werten und Traditionen der jordanischen Gesellschaft widerspreche. Auch die katholische Kirche hatte Druck ausgeübt, weil die Gruppe für moralischen Zerfall stehe.



Im Herbst 2022 gab Hamed bekannt, dass sich die Mashrou' Leila wegen der anhaltenden Anfeindungen auflöse. Konservative Kräfte in der arabischen Welt hätten es ihnen sehr schwer gemacht, in Ländern wie etwa Jordanien und sogar in der libanesischen Hauptstadt Beirut aufzutreten.


Die Musiker waren nicht nur in ihrer Heimat Superstars, sonden auch international erfolgreich. Weil sie wollten, dass die Leute verstehen, was sie singen, fingen sie an, auch Lieder in Englisch zu schreiben. So ist «Cavalry» ein Statement gegen die repressiven Systeme der Welt.



Heute ist Hamet Sinno Komponist, Autor, Designer und Aktivist. 2024 wurde er an der Pride Parade in New York verhaftet. Zuvor warf er künstliches Blut auf ein Fahrzeug . Die Aktivist:innen rollten ein Banner mit der Aufschrift «No Queer Liberation Without Palestinian Liberation» (Keine queere Befreiung ohne Befreiung Palästinas).


Diese Geschichte erinnert mit an die Demonstration an der Zurich Pride 2025. Mich zog es immer wieder zu den Palästina-Flaggen. Eine Weile ging ich neben einer vermutlich arabischen Person mit dieser Fahne. Irgendwann schauten wir uns an und ich fragte sie (ihn), ob ich die Flagge tragen dürfe. Sie (er) gab sie mir vertrauensvoll in die Hand und ich schwenkte sie eine Weile. Danach gab ich sie zurück und erhielt ein liebevolles Zeichen der Dankbarkeit.


Ein paar Wochen gab mir jemand zu verstehen, dass die Palästinafrage an einer Pride nichts zu suchen habe. Ich reagierte nicht darauf. Vermutlich dem Frieden zu liebe. Dabei hätte ich mich an Mashrou' Leilas Statement nach einer Konzertabsage orientieren können.


«Zu sagen dass eine Band nicht in Jordanien auftreten darf, weil ihre Songs von Sexualität und Homosexualität handeln oder weil sie das demokratische Recht unterstützen, gegen soziale oder politische Missstände zu protestieren, bedeutete, dass niemand, der in seinen Werken grundlegende Menschenrechte anspricht, auftreten dürfe. Das ist eine ziemlich feindselige Art, mit Menschenrechten und Demokratie umzugehen.» Mashrou' Leila


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Am 13. Februar 2026 lädt der Verein «Hössli Haus» zu seiner ersten Mitgliederversammlung in Glarus ein. Als Gast ist SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser dabei, eine der zeitgenössischen Schweizer Kämpfer:innen für LGBTIQ+ Rechte.



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