Mit dem Regenbogen verbunden
- Werner

- 21. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Juni
Heute Abend war Mitgliederversammlung in Zürich. Glarus war für ein Grusswort eingeladen. Es war mein erstes Grusswort und ich bin dankbar, durfte ich es auf sicherem Terrain ausrichten.
Nun, ein Jahr nach meiner ersten Kontakt mit dem Regenbogenhaus, wurde es Zeit für eine Revanche: Ich war an der Mitgliederversammlung des Zürcher Vereins als Vertreter seines Glarner Gegenstücks eingeladen.
Das Regenbogenhaus im Zollhaus Zürich wächst. Im Herzen der grössten Schweizer Stadt ist es seit 2021 ein Ort für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans und queer lebende Menschen.
Liebe Mitglieder, liebe Partner:innen Liebes Regenbogenhaus-Team, liebe alle Kennt ihr das Gefühl der Unsicherheit auf sicherem Terrain? Früher ging es mir so in Schwulen-Clubs. Vielleicht war es auch Eitelkeit. Jedenfalls benutze ich mein Skript in meinem Handy, um mich sicherer zu fühlen. Vor ziemlich genau einem Jahr war ich mit Ulla in Kontakt, um den Part des Regenbogenhauses Zürich an der Glarus Pride vorzubereiten. Dass ich jetzt umgekehrt bei euch sein kann, freut und ehrt mich sehr. Ich bin Werner (53), schwul, queer und Präsident des Vereins «Hössli Haus» aus Glarus. Was wir heute in Glarus tun, ähnelt eurem Weg. Deshalb war Ulla am 4. Juli 2025 in Glarus dabei. Sie hatte ihren Posten an der queeren Stadtführung vor Heinrich Hösslis Geburtshaus. Ich nehme es jedenfalls an, denn ich selbst hatte wegen Over Booking vier, statt eine Führung am Hals und konnte keine davon selbst miterleben. Noch etwas länger ist es her, dass ich von Wiedikon nach Ennenda gezogen bin. Bei eurer IG-Gründung war ich schon drei Jahre weg, lernte aber im gleichen Jahr die Geschichte von Heinrich Hössli kennen. 2014 kam seine Biografie heraus mit dem Titel «Keine Liebe ist an sich Tugend oder Laster». Inzwischen lebe ich 15 Jahre in Glarus (gleich lange wie in Zürich), bin der einzige offen queere Kantonsparlamentarier und habe vor zwei Jahren mit sieben anderen Glarner:innen unseren Verein gegründet. In Glarus ist alles etwas kleiner und übersichtlicher. Im ganzen Kanton leben soviele Menschen, wie in Wiedikon alleine. Die Glarus Pride mit 800 Besucher:innen war ein wichtiger und wohlwollender Auftakt unserer Aktivitäten. Letzten Februar wiederholte sich diese Atmosphäre, als 80 Menschen an der Lesung mit Anna Rosenwasser dabei waren, die wir in den Rahmen unserer ersten Mitgliederversammlung gestellt hatten. Aktuell haben wir 51 Mitglieder und stehen so nahe bei der Nutzung unseres Hauses, wie noch nie. Es ist das Geburtshaus Heinrich Hösslis, den wir auch den ersten «Ally» Europas nennen. 1836 veröffentlichte er als Erster im deutschsprachigen Raum ein Buch über die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Liebe: «Eros – die Männerliebe der Griechen» Zurück ins Jetzt, ist vor einem Monat wie durch ein Wunder ein Mensch aufgetaucht, der das bescheidene violette Reihenhaus kaufen und uns vermieten will. Er hat eines von sieben Plakaten im Glarnerland entdeckt. Das erste Clubhaus Schweiz würde unser Haus tagsüber beleben. Ein Clubhaus ermöglicht Menschen mit psychiatrischer Erfahrung ein selbstbestimmtes und aktives Leben. Dem Verein «Hössli Haus» würden abends und an den Wochenenden Platz und Zeit bleiben, um einen ruhigen, queeren Begegnungsort für alle Interessierten zu schaffen. Mit etwas Glück tritt das Wunder ein und der Verkauf sowie die Vermietung gehen bald und reibungslos über die Bühne. Wir haben zwar einen Plan B, der aber mit mehr Unwägbarkeiten versehen ist. Unwägbarkeiten, die ihr vermutlich auch kennt und bei eurem Prozess viel Geduld verlangt und an den Nerven gezehrt haben. Umso schöner, dass es das Regenbogenhaus Zürich heute gibt – ich bin dankbar, ein solches Vorbild zu haben und wünsche euch für heute eine schöne Mitgliederversammlung und für immer, dass ihr standhaltet! Als kleines Geschenk habe ich ein Pride Tüechli mitgenommen, mit dem wir Glarner Tradition mit Querness verbinden, um unser Terrain zu sichern.
Save the Date
Am 28. Juni 2026 wandert der Verein «Hössli Haus» am ersten Slow Sunday ins Klöntal. Mitglieder und ihre Familien, Freund:innen und Kolleg:innen sind ebenso willkommen, wie alle andern wohlwollend Interessierten: zum Anmeldeformular





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