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Keine Angst mehr vor dem Regenbogen

Mit einer aktuellen Zustimmungsquote von 69 Prozent scheint die «Ehe für alle» am 26. September in ihren Hafen einzulaufen. Tatsächlich würde der Schweiz ein eindeutiges Ja aus allen Landesteilen guttun.


Ob die Angst vor dem Regenbogen fällt, zeigt sich am Abstimmungssonntag. Es ist die Angst vor den möglichen Konsequenzen, wenn zwei Frauen oder zwei Männer sich heiraten und vielleicht eine Familie gründen. Es ist Zeit, diese unnötige und sogar fatale Angst abzuwerfen und daraus Kraft zu schöpfen für die längst fällige gesellschaftliche Erneuerung.



Kinder haben oder nicht


Als ich ein Teenager war und merkte, dass ich schwul bin, war für mich klar: Ich werde nie Kinder haben. Zugegeben: Im Nachhinein ist das für mich eine Erleichterung. Kinder in eine Welt mit bedrohlichen Zukunftsaussichten zu setzen, ist keine leichte Entscheidung. Hätte ich aber Kinder gewollt, hätte ich einen Weg gefunden – wahrscheinlich den, eine Frau zu suchen, die das auch will.


Im besten Fall hätte ich von Anfang an Klartext gesprochen. Das hätte die Suche vor 30 Jahren schwieriger gemacht. Im schlechtesten Fall hätte ich meine Homosexualität verdrängt und meinen Kinderwunsch in den Vordergrund gestellt. Solange, bis ich eines Tages meine Familie verlassen hätte – entweder um meiner unterdrückten Homosexualität freien Lauf zu lassen oder um meinem Leben ein Ende zu setzen.



Selbstverständlichkeiten statt Selbstbetrug


Beinahe ging ich den Weg der Verdrängung. Ich hatte aber zum Glück die möglichen Konsequenzen vor Augen. Ich verletzte meine damalige Freundin und auch meine Mutter damals sehr. Mit jedem Jahr und jedem Kind und jeder Lüge mehr, wären die Verletzungen aber noch grösser geworden.


Zum Glück ist das alles Konjunktiv. Dass aber über 30 Jahre später Menschen noch immer in solche Situationen kommen, muss nicht sein. Deshalb ist es zum Beispiel wichtig, dass Schwinger Curdin Orlik zu seiner Homosexualität steht und sich für die «Eher für alle» einsetzt – er hat übrigens ein Kind mit einer Frau.



Solche Menschen zeigen, dass gesellschaftliche Anerkennung nicht von der sexuellen Orientierung abhängt. Deshalb muss ein Ja zur «Ehe für alle» eindeutig ausfallen – damit das bisherige Eheverbot uns künftig nicht doch noch weiter Menschen und ihre Talente entreisst – zum Beispiel das Talent, erfolgreiche Traditionssportler*innen, gesellschaftskritische Unterhaltungskünstler*innen oder einfach nur gute Eltern zu sein.



Zeichen für Aufbruch, Veränderung und Frieden


Ein Regenbogen entsteht, wenn Regen und Sonnenlicht aufeinander stossen. Er erscheint als bogenförmiges Band mit einem Farbverlauf des sichtbaren Lichts des Sonnenspektrums. Es treffen also zwei Welten aufeinander und es entsteht etwas Schönes dabei.


Die Regenbogenfahne drückt die Stimmung für Aufbruch, Veränderung und Frieden aus. Schon im 16. Jahrhundert kam sie im deutschen Thüringen oder im 18. Jahrhundert in Peru zum Einsatz.


Seit 1961 ist sie das Symbol der italienischen Friedensbewegung. 2003 wurde die Pace-Fahne zum Zeichen des Protests gegen den Irak-Krieg. Seit den 1970er Jahren ist die Regenbogenfahne das internationale Symbol der LGBTQI+-Bewegung.



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