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Raum für ein buntes Spektrum der Lüste

Diese Woche findet in Zürich ein Festival statt, das mich anzieht. Weil ich nicht dabei sein kann, mache ich was im Voraus draus und nutze meine:n Kleine:n.


Kommt es wirklich auf die Grösse an? Mir mit meinem kleinen Blog und seiner ebenso kleinen Reichweite nicht. Was «richtige» Medien angeht scheinbar schon. Sie sind auf grosse Reichweite mit vielen Klicks – also auf Empörung – angewiesen. Über die Medienkrise schreibt gerade die Wochenzeitung WOZ.


Liebe auf den ersten Klick


In der gleichen Zeitung bin ich auf die Anzeige der Porny Days gestossen und überlege mir gerade, ob ich für diesen Blog das «Länderkürzel» .love reservieren soll. Passen würde es. Auch das Statement auf der Website der Porny Days passt, auf das ich zuerst geklickt habe.


Statement zu den Porny Days


«Die Porny Days werden momentan medial angegriffen. Dabei wird perfider Rassismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit reproduziert, und es wird Empörung darüber laut, dass unser Festival Themen wie Sexpositivity, Intersektionalität und Diversität mit verschiedenen künstlerischen Zugängen in Zürcher Kulturstätten wie dem Schauspielhaus präsentiert.


Dass uns nun ein polemischer, reaktionärer Gegenwind entgegenweht, überrascht uns nicht. Sexualität und Körper waren schon immer Teil der menschlichen Kultur und daher auch immer Ziel von reaktionären Verboten, gleichmachenden 'Richtig-und-Falsch'-Vorstellungen sowie dem Unsichtbarmachen von menschlichen Bedürfnissen und Sehnsüchten. Auch das Interesse von Medien und Werbung, diese Themen für Klicks und Reichweite auszuschlachten, ist nicht zu übersehen.



Das Film- und Kunstfestival Porny Days möchte jedoch mit einem offenen Zugang zum Körper, zur Darstellung von Sex und verschiedenen künstlerischen Zugängen als niederschwelliger und wohlwollender Treffpunkt dienen. Ein Begegnungsort, an dem sich Besucher:innen in Workshops austauschen und voneinander lernen können, ohne Schamgefühle. Ein Raum, in dem wir in Kontakt treten mit Menschen, die in der Sexindustrie arbeiten – einer Industrie, deren Produkte von einem Grossteil der Gesellschaft konsumiert, gleichzeitig aber stigmatisiert werden.


Ein Ort, an dem wir anhand von Lesungen und Performances von neuen Realitäten lernen und uns inspirieren lassen können. Ein Kino, in dem wir aufatmen, weil wir endlich Filme sehen, in denen Körperformen gezeigt werden, mit denen wir uns identifizieren können. Und eine Plattform, auf der wir uns gegen die politische Instrumentalisierung von Sexualität wehren.


In den gegenwärtigen Zeiten, geprägt von alltäglicher sexualisierter Gewalt, zunehmenden Angriffen gegen queere Menschen und der Aufarbeitung jahrelangen Missbrauchs in Institutionen, sind die Porny Days wichtiger denn je. Sie stehen für ein solidarisches Miteinander, ein behutsames Erkunden und ein lustvolles Erleben. Deshalb laden wir euch herzlich ein, unser Festival zu besuchen, gemeinsam über brennende Themen zu diskutieren und uns gegenseitig zu unterstützen – fernab des hetzenden, spalterischen Tons, den einige Medien derzeit für ihre Klickgenerierung nutzen. Wir freuen uns auf einen lebendigen Austausch, möglichst viele interessierte und solidarische Menschen.


Liebe Medienschaffende: bevor ihr vorschnell diskriminierende Inhalte reproduziert und Falschaussagen zu unseren Programm übernehmt, meldet euch doch zuerst bei uns und fragt uns direkt, was unsere Beweggründe sind.»



Wer kommt, kommt wieder


Eine Vorführungen mit Fokus Sexarbeit zeigt den Film Pornfluencer. Der Trailer macht Lust auf das Unerreichbare, denn der Programmpunkt vom 30. November um 20.40 Uhr im Riffraff ist bereits ausverkauft.


Weil es gerade Freude macht, grossartige Texte eins zu eins zu übernehmen, gibt es nun auch noch das Über und das Manifest der Porny Days für alle, die es bis jetzt noch nicht geschafft haben, sich auf der Festivalseite herumzutummeln.


Über die Porny Days


«Die Porny Days sind ein fünftägiges Film- und Kunst-Festival zum Thema Körperlichkeit und Sexualität, das jährlich in Zürich stattfindet. Mit einem offenen Zugang zum Körper und zur Darstellung von Sex setzen die Porny Days einen Kontrapunkt zu Mainstream-Pornografie und Neoprüderie und bringen einem breiten Publikum die Vielseitigkeit von Sexualität und die damit verbundenen Themen näher.


Das Festival schafft in dieser Form eine einzigartige Öffentlichkeit für ein Thema, das mit vielschichtigen Tabus behaftet und zugleich zentrales sowie zeitloses Element der menschlichen Kultur ist. An den Porny Days gibt es Filme, Performances, Paneldiskussionen, Lesungen, Workshops und eine Porny Party. Während des Jahres finden Porny-One-Night-Stands in Zürich und anderen Städten statt. Alle Vorführungen des Festivals sind ab 18 Jahren.»



Manifest der Porny Days


«Sexualität ist von Lust geprägt, sie ist delikat und intim, stets in Bewegung und beeinflusst von der Zeit und Kultur, in der sie gelebt wird. Durch sexuelle Handlungen kommen wir uns selbst und anderen näher, treten in Beziehung und Berührung. In der freien Entfaltung unserer Sexualität gibt es keine Grenzen: Jeder Körper ist fähig zur Sexualität und verdient das Recht auf Selbstbestimmung und Autonomie. Consent ist Voraussetzung für die körperliche Kommunikation zwischen zwei und mehr Menschen.


Pornografie ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Nebst sexueller Anregung und expliziter Darstellungen, kann sie auch ein künstlerischer Ausdruck, eine Kritik an der Gesellschaft und ein Akt des Protests sein. Die an den Porny Days gezeigten künstlerischen Beiträge und inhaltlichen Auseinandersetzungen feiern unsere Sexualität, Körperlichkeit und Identitäten.


Mit unserem Festival möchten wir eine Gesellschaft fördern, in der pornografische Inhalte und Sexarbeit unter fairen und einvernehmlichen Bedingungen entstehen. Wir unterstützen künstlerische, aktivistische und subkulturelle Darstellungen von Sexualität, die gesellschaftliche Normen herausfordern und neu interpretieren. Noch immer sind manche Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen Stigmatisierung, Zensur und Prüderie ausgesetzt. Die Porny Days möchten einen Beitrag leisten, dies zu ändern und kreieren einen Raum für ein buntes Spektrum der Lüste.»



Am anderen Festival


Ein anderes Festival habe ich erst kürzlich nicht verpasst. Viel vom Queersicht LGBTIAQ*-Filmfestival vom 2. bis 8. November 2023 in Bern habe ich zwar nicht mitgekriegt, aber zu zwei Filmen hat es Samstagnacht im Kino in der Reitschule gereicht.


Der eine war Triple Oh! und handelte von zwei lesbischen Rettungskräften, von ihren Einsätzen und – ja – auch von ihrer Liebe. Der andere war Captain Faggotron Saves the Universe und ist fantastischer Trash rund um die vollständige Verqueerung des Planeten.



Übrigens ist die Aussicht auf den Besuch meiner damaligen Begleitung ins Kino in der Reitschule nebst zwei politischen Terminen der gute Grund, warum ich es nicht an die Porny Days 2023 nach Zürich schaffe.

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