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Reden heisst nicht schweigen

Am ersten Sonntag im Mai ist Landsgemeinde im Kanton Glarus. Dieses Jahr war das überhaupt der erste Tag im Mai. So kam es, dass in Glarus ziemlich viele Menschen am ersten Mai Reden hielten.


Ich war einer von ihnen. Davor standen 13 Traktanden an. Bei zwölf davon hiess es mindestens einmal «ds Wort isch frii».



Bei Traktandum 14 ging es darum, den Klimaschutz in die Verfassung des Kantons Glarus aufzunehmen. Die Empfehlung des Regierungs- und Landrats war ein Ja.


Als die erste Rednerin sprach, machte ich mich von ein paar Bänken entfernt mal auf die Socken. Nach der zweiten Rednerin gab's dann auch für mich kein Zurück mehr.


Menschen, die mir zuhören


Hoch geachteter Herr Landammann

Hoch vertraute, liebe Mit-Landleute


Im Namen der SP beantrage ich, diesem Geschäft unverändert zuzustimmen.

Heute steht in Artikel 22 der Kantonsverfassung folgendes:


«Jedermann ist verpflichtet, die Umwelt zu schonen. Der Kanton und die Gemeinden erlassen im Rahmen des Bundesrechts Vorschrif­ten und treffen Massnahmen zum Schutz des Menschen und seiner Umwelt. Sie bewahren die Schönheit und Eigenart der Landschaft und der Ortsbilder sowie der Natur- und Kulturdenkmäler.»


Ich frage mich: Ist der Klimaschutz wirklich so unwichtig, dass er nicht einmal beim Namen genannt wird? Ich finde: im Gegenteil. Gerade für uns im Berggebiet ist er sogar besonders wichtig.


Zum Beispiel wegen der Folgen des auftauenden Permafrosts, der häufigeren Starkregnen oder der steigenden Schneefallgrenze.


Beim Klimaschutz gibt es zwei Handlungsfelder: Erstens: Verminderung der Treibhausgase. Zweitens: Anpassung an den Klimawandel.


Wir können heute wählen, ob wir das jetzt in die Hand nehmen, oder ob unsere Kinder und Grosskinder für unser Versäumnis zahlen. Und zwar nicht nur mit Geld.


Im Memorial steht wortwörtlich:


«Der Kanton Glarus kann den Klimawandel zwar nicht alleine stoppen. Er hat aber ein besonderes Interesse daran, die Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu beschränken. Vor diesem Hintergrund ist eine Vorbildfunktion des Kantons Glarus wichtig.»


International hat man sich auf das Prinzip geeinigt, dass die Klimaneutralität für das eigene Territorium erreicht werden muss. Die Schweiz muss das bis 2050 also auf ihrem eigenen Gebiet erreichen. Genauso sollte das jeder Kanton. Aus diesen Gründen macht es auch Sinn, dass wir uns eigene Klimaziele setzen können.


Stellen Sie sich vor, wenn man über uns sagt: Zum Glück haben diese Glarner vorwärts gemacht. Und zum Glück haben diese Glarner gemerkt, dass klimaverträglich auch sozial- und wirtschaftsverträglich bedeutet.


Das Gute an dieser Vision ist auch: Wir verzetteln uns nicht weiter in Diskussionen, wer mit dem Klimaschutz zuerst anfängt. Sondern wir machen das jetzt einfach.


Vielen Dank, dass Sie den Klimaschutz in unsere Verfassung aufnehmen.


Menschen, die mit mir reden


Nebst mir waren Barbara Rhyner (SVP), Marion Meier (GLP), Franz Freuler (SVP), Rolf Hürlimann, Kommissionspräsidentin Susanne Elmer-Feuz (FDP) und Regierungsrat Kaspar Becker (Mitte) an der Debatte beteiligt.


Es tut gut, soviel Engagement auf allen Seiten zu erkennen. Weil es Menschen braucht, die nicht schweigen, habe ich vor allen Respekt, die gesprochen haben.


Hier gibt es die ganze Debatte über Traktandum 14 zum Nachvollziehen.



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