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Suffizienz heisst das Zauberwort

Heute aufersteht ein Mann, der Erlöser genannt wird. Die Geschichte von Jesus ist ein einziger Ratschlag für unsere Gesellschaft und unser Leben – egal ob wir an ihn glauben oder nicht. Schliesslich verrrät die Jesusgeschichte nichts weniger als das Rezept zur Rettung Menschheit.



Das Rezept heisst Nächstenliebe


Auf Jesus' Rezept beruft sich auch die Forderung nach Klimagerechtigkeit. Der Ausdruck umschreibt, dass die grössten Verursacher der Klimakrise nicht die am stärksten Betroffenen sind. Stark Betroffen und wenig verursachend sind zum Beispiel räumlich die Menschen im globalen Süden und zum Beispiel zeitlich die kommenden Generationen.


Zur Lösung der Klimakrise stehen vor allem technische Ansätze auf dem Plan. Dabei bedeutet mehr Geld für mehr erneuerbare Heizungen, Solaranlagen oder E-Autos auch noch mehr Energie für noch mehr Konsum. Dass dadurch immer mehr neue Umweltschäden und Ungerechtigkeiten entstehen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.


Nächstenliebe ist ein Gefühl und deshalb schwierig, technisch auszulösen. Das Gute daran: Das Gefühl kommt ganz ohne Technik aus. Es geht um eine verinnerlichte, bewusste Haltung. Die Handlung aus dieser Haltung heraus heisst Suffizienz. Sie umschreibt den bewussten Umgang mit unseren begrenzten Ressourcen.


Suffizienz ist nicht einfach Verzicht


Bei der Suffizienz geht es auch um ökonomische Logik, die uns offenbar abhanden gekommen ist. Verbrauchen wir unsere Ressourcen so, dass sie unsere Umwelt und die Lebensgrundlage der Menschen – also der Arbeitskräfte und der Konsumierenden – zerstört, kann ein Unternehmen weder produzieren, noch verkaufen.



Was die Produktion und die Arbeitskräfte dafür angeht, könnte die Digitalisierung das Problem auf den ersten Blick beheben. Schliesslich ist künstliche Intelligenz astronomisch schneller, als die menschliche Fertigkeit. Allerdings braucht sie auch astronomisch viel Energie dazu, die es entweder nicht gibt oder deren Beschaffung die Umwelt zerstört.


Mit Nachhaltigkeit scheint die heutige Zeit gerade nichts am Hut zu haben. Dabei ist sie auch für die Marktwirtschaft systemrelevant. In der heutigen NZZ am Sonntag sagt der Ökonom Thomas Straubhaar zur anrollenden Inflationskrise, dass die Verteilungspolitik effizienter werden muss. Konkret: Um das Grundeinkommen kommen wir nicht herum.


NZZ am Sonntag, Ostern 2022
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Geldverteilung mit der Giesskanne soll uns also nachhaltiger machen? Straubhaar sagt dazu, dass sich die Menschen während der Inflation betrogen fühlen. Tiefe und negative Zinsen signalisieren, dass sich langfristiges Handeln nicht lohnt. Dadurch fehlt der Anreiz, auf kurzfristigen Konsum zu verzichten. Ganz nach dem Motto: Man lebt nur einmal und verbringt sein Leben am besten im Stau auf dem Tagesausflug ins Tessin.



Fastenzeit-Serie mit KlimaGlarus.ch


Um Suffizienz geht es auch in der Kulturblog-Serie zur Fastenzeit 2022. Ich habe sie am Aschermittwoch gestartet und gestern abgeschlossen. Parallel ist eine Miniserie in den Glarner Nachrichten entstanden.


Bei beiden Formaten haben verschiedene Autor:innen mitgemacht.


Auf der Glarner Agenda sind alle Kulturblog-Artikel der Serie zu finden:

  • «Fasten im Zeichen der Zeit» von mir

  • «Kleiderfasten – mein Jahresprojekt» von Swantje Kammerecker

  • «Das Schönste am Kleiderfasten» von Eva Gallati

  • «Spieglein, Spieglein auf dem Abfallberg» von Leonie Della Casa

  • «Alles schreit nach dem Tabu» von mir

  • «42 Tage auf den Spuren des Klimawandels» von mir

  • «Solidarität als Schlüssel zur Klimagerechtigkeit» von Sven Keller* und mir

  • «Feiern!» von mir

*Sven von Allerhand im Glarnerland appeliert an ein nachhaltiges Leben und sagt, dass uns das was kostet. Das sagt auch Ökonom Straubhaar im NZZ-Interview.



Die Artikel der Mini-Serie sind bei der Südostschweiz archiviert:

  • «Fasten kann man nicht nur für das eigene Seelenheil» von Sebastian Dürst

  • «Zum Beispiel weniger googeln» von mir

  • «Zum Beispiel Kleider flicken» von Eva Gallati

  • «Etwa Bananen einfrieren» von Susan Hämmerli

  • «Autofasten fördert die Gesundheit und sorgt für mehr Begegnungen» von Priska Müller

Glarner Nachrichten Mini-Serie Fastenzeit
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Was braucht es noch?


In meinem abschliessenden Kulturblog-Beitrag komme ich auf Jesus zurück. Er fastet in der Wüste. Dort ist er der Versuchung Satans ausgesetzt, also an Gott – an sich – zu zweifeln.


Wenn uns die Geschichte des Mensch gewordenen Gottes sagen will, dass wir an uns glauben sollten, dann steckt die Menschheit gerade in einer ähnliches Situation wie Jesus in der Wüste.



Denn obwohl die Klimakrise, die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg lauthals danach schreien, sich unserer begrenzten Ressourcen bewusst zu sein, verbrauchen wir immer mehr davon und machen den Systemchange mit voller Hose vor der Veränderung herunter, der wir entweder ausgeliefert sind, oder die wir mitgestalten.


Klar: Mit drei gewaltigen und weiteren anrollenden Krisen – Inflation und Hunger klopfen an die Tür – ist ein Verhalten, als gäbe ein kein Morgen mehr, einerseits erklärbar. Anderseits: Wünschen wir ihn uns tatsächlich, den Untergang – oder widerstehen wir der Versuchung des Teufels?


Wem das zu abgedreht ist, die oder der kann sich auch einfach mal auf den Weg machen, sich über das Modell der Suffizienz schlau zu machen.


Der Tipp zum Schluss für Menschen, denen das Gefühl, als gäb's kein Morgen mehr, gefällt: Vielleicht einfach mal tanzen, um vom Konsum herunter- und zu sich selbst zu kommen.



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