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Zeit zum Umsatteln

Heute hat Glarus seine Regierungs- und Gemeinderätin:innen gewählt. Für die 26 Plätze haben fünf Frauen kandidiert. Alle haben es geschafft. Der Frauenanteil beträgt nun in den Glarner Exekutiven knapp 20 Prozent. Eine der fünf ist nebst Frau auch jung und grün – ein kleines Wunder für Glarus.


In den Vorständen von KlimaGlarus.ch und der SP-Sektion Glarus sowie gemeinsam mit weiteren Freunden durfte ich mich für die wunderbare Kandidatur von Eva-Maria Kreis einsetzen. Auch andere haben das getan und zum Beispiel Leserbriefe geschrieben. Vier davon inklusive meinen zeige ich hier – abgekupfert aus dem Lokalblatt. Sie stammen alle aus der Feder von Männern, die sich für die gleiche Frau einsetzten.


Ein Glücksfall und eine Chance für Glarus


Für den Gemeinderat Glarus kandidiert eine junge Frau, die sich lokal gesellschaftlich, kulturell und klimapolitisch engagiert. Eva-Maria Kreis ist ein Glücksfall für Glarus und macht deutlich: Dieser jungen Frau liegt die Zukunft des Glarnerlands am Herzen und sie ist bereit, auch politische Verantwortung zu übernehmen.


Selbstverständlich ist das nicht. Schliesslich locken ausserhalb unseres überschaubaren Kantons lauter attraktive Karrieremöglichkeiten für engagierte, interessierte und kluge Menschen. Hinter dieser Kandidatur steht ein wichtiges Signal für die Jungen, die Frauen und für alle, deren Anliegen in der Lokalpolitik untervertreten sind. Das Signal: Das Glarnerland ist keine Region mit beschränkten Möglichkeiten, sondern bietet lauter Chancen.


Dass Eva-Maria sich in Kreisen bewegt, die im Kleinen auch Grosses bewirken können, machen zum Beispiel die Erfolge der Glarner Klimabewegung deutlich, bei der sie aktiv ist. Erfolge im kleinen Glarnerland mit Signalwirkung für die ganze Schweiz.

Mit der Wahl von Eva-Maria Kreis signalisieren wir am 13. Februar, dass die Mitarbeit der Jungen, der Frauen und aller, die etwas zu sagen haben, an unserer gemeinsamen Zukunft erwünscht ist. Das stärkt nichts weniger als das dringend benötigte Interesse an unserer Demokratie.


Quelle: Leserbrief von Christian Menzi vom 19. Januar 2022 in den «Südostschweiz Glarner Nachrichten»


Jung wählen bewährt sich


Den Jungen gehört die Zukunft. Dieser an sich selbstverständliche Satz kommt in der kommunalpolitischen Realität erst langsam an. Nun kandidiert eine Frau für den Gemeinderat Glarus, die diese Zukunft verkörpert. Einige mögen sich die Frage stellen, ob die 24-jährige Eva-Maria Kreis genug Erfahrung für das Amt mitbringt.


Ein Amt, das auch für ältere Semester eine neue Erfahrung wäre. Und ein Amt, für das vor acht Jahren der damals 26-jährige Markus Schnyder erfolgreich kandidierte. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es eine durchaus gute Wahl war.


Dass wir nun am 13. Februar eine Vertreterin nicht nur der jungen Generation, sondern auch der Frauen und der Anliegen für eine nachhaltige Zukunft auf allen Ebenen wählen können, macht zuversichtlich.


Wer Eva-Maria Kreis die Stimme gibt, ermöglicht einen Gemeinderat, der die gesamte Bandbreite der Glarner Bevölkerung vertritt. Dadurch wachsen das Bewusstsein bei mehr Glarnerinnen und Glarnern, die Entwicklung der Gemeinde mitgestalten zu können, sowie der Wille und die Begeisterung, es auch tatsächlich zu tun.


Quelle: Leserbrief von Manfred Müller vom 24. Januar 2022 in den «Südostschweiz Glarner Nachrichten»


Einfach wählen


Bei den Wahlen vom 13. Februar 2022 kandidieren fünf selbstbewusste Frauen für insgesamt 26 Sitze – drei als Bisherige, zwei als Neue. Wählen wir diese Glarnerinnen konsequent, ist die Hälfte der Bevölkerung zu knapp 20 Prozent vertreten.


Die Frage, ob die Kandidatinnen auf den Wahlzettel gehören, erübrigt sich also. Wer sie sich trotzdem stellt, kann bei maximal 20 Prozent Frauenvertretung locker über seinen politischen Schatten springen. Das kann ich nur empfehlen: Marianne Lienhard in den Regierungsrat sowie Eva-Maria Kreis und Andrea Trummer in den Gemeinderat Glarus zu wählen, war meine einfachste Entscheidung beim Ausfüllen der Wahlzettel. In Glarus Süd und Glarus Nord heissen die Kandidatinnen Gabi Aschwanden und Sibylle Huber.


Frauen gehören auch bei uns an den Herd der politischen Entscheide. Dadurch müssen die Männer ihr Süppchen nicht weiter selber kochen. Und dadurch werden auch andere Menschen zur politischen Partizipation motiviert. Diese breitere Beteiligung braucht unsere demokratische Tradition, um sich in die Zukunft zu retten.


Wem also die Entscheidung schwerfällt oder das Ganze zu mühsam ist: Wahlunterlagen aufmachen, Stimmrechtsausweis unterzeichnen, Namen der Frauen auf die Wahlzettel schreiben und vorfrankiertes Couvert bis am 8. Februar 2022 verschicken. Das sind höchstens zehn Minuten persönliche Zeit für mindestens vier Jahre gemeinsame Zukunft. Wer auch das nicht schafft: In den Abstimmungslokalen ist am Sonntag um 11 Uhr Schluss.


Quelle: Leserbrief von Werner Kälin vom 1. Februar 2022 in den «Südostschweiz Glarner Nachrichten»


Wähle, wenn dir die Zukunft wichtig ist


Am Sonntag, 13. Februar, wird in Glarus der Gemeinderat neu gewählt. Eine der Kandidatinnen ist Eva-Maria Kreis, die im Alter von 24 Jahren die Herausforderung eines Exekutivamtes annehmen will. Dieses Engagement eines jungen Menschen beeindruckt mich sehr.


Ich bin überzeugt, dass sie dieser Herausforderung gewachsen ist. Sie hat in den letzten Jahren an verschiedenen Orten und Positionen bewiesen, dass sie Verantwortung übernehmen kann, dass sie sich und andere für eine Sache begeistern und Menschen führen kann und sich konstruktiv für Lösungen einsetzt. Oder anders gesagt: Sie hat bereits einen grossen Leistungsausweis.


Vor Kurzem schloss Eva-Maria Kreis ihr Studium an der Universität Basel (Philosophie und Germanistik) ab. Parallel dazu hat sie in unserem Kanton gearbeitet. Seit zweieinhalb Jahren unterrichtet sie an der Kantonsschule das Ergänzungsfach Philosophie. Eine Gruppe Jugendliche respektive junge Erwachsene zu führen und zu leiten, ist eine Leistung, vor allem wenn man selbst nur wenige Jahre älter ist.


Auch politisch scheut Eva-Maria Kreis keine Knochenarbeit: Vor zwei Jahren wirkte sie aktiv an der Reorganisation der Jungen Grünen mit und führt seither als Co-Präsidentin diese Jungpartei. Organisationstalent hat sie im August 2021 mit dem Konzert- und Markt-Event Chlüntel und zwar langsam  unter Beweis gestellt.


Ihre Entschlossenheit, dieses Amt und diese Verantwortung für die Gemeinde Glarus anzunehmen, ist spürbar. Ich bin dankbar, dass mit Eva-Maria Kreis ein junger Mensch bereit ist, sich mit Können, Energie und Mut für die Gemeinde einzusetzen. Ideenreich, konstruktiv und lösungsorientiert.


Quelle: Leserbrief von Søren Ehlers vom 7. Februar 2022 in den «Südostschweiz Glarner Nachrichten»


Skandal zum Endspurt


Zum Wahlkampf der Grünen gehörte auch eine Rikscha, die im öffentlichen Raum auftrat. Der bürgerliche Kandidat wählte als mobile Werbefläche ein Auto. Das Bild im öffentlichen Raum sprach eigentlich für sich: Willst du bewahren oder verändern? Die Verlockung war natürlich gross, das noch zu verdeutlichen. So geschah es mit einem «Meme». Es schlug kurzfristig Wellen.


Auch ich teilte das «Meme» als Story auf Instagram und ein Screenshot davon landete prompt auf Facebook. Halb so schlimm und eigentlich wollte ich nur sagen: Du hast die Wahl. Ist ja durchaus möglich, dass Wähler:innen auf den SUV abfahren. Ist sogar sehr wahrscheinlich. Jedenfalls war Rikscha gefürchtet.


Unterwegs mit der Eva-Maria-Rikscha mit «Ride a White Horse» von Goldfrapp


Frauen und Verändern


Vermutlich hängt die politische und gesellschaftliche Haltung nicht unvermeidlich mit dem Geschlecht zusammen. Und doch stehen für mich immer wieder Frauen für Veränderung – vor allem, wenn sie deutlich untervertreten sind.


In Norwegen zum Beispiel wurde 2006 die Frauenquote für Führungspositionen eingeführt. Für das skandinavische Land war sie eine Chance, um Festgefahrenes alter Muster durch breitere Partizipation aufzulösen. Seither hat sich zum Beispiel das Betriebsklima verbessert und ist das Durchschnittsalter in Verwaltungsräten gesunken.



Auch heute ist vieles festgefahren mitten in einer Zeit, in der sich die Welt um uns schwindelerregend verändert. Ob wir es wollen oder nicht. Wer bisher an der Macht war, muss befürchten, einiges zu verlieren. Kein Wunder, wer sich in dieser Situation wehrt.


Selbst wenn die Macht mal weg ist, holen sie sich manche wieder zurück. Zum Bespiel haben die Männer gegen Ende der Weimarer Republik gemacht. Die Serie Eldorado KDW handelt unter anderem davon.



Es gibt natürlich auch andere Reflexe während grossen Transformationen: Zum Beispiel übergab Äbtissin Katharina von Zimmern während der Reformation das Fraumünster an die Stadt Zürich, um Blutvergiessen zu verhindern.


Männer und Loslassen


Bei den Wahlen für den Gemeinderat Glarus stand das Geschlechter-Thema zum Glück nicht im Zentrum. Die Frage nach Veränderung oder Machterhalt dagegen schon – mit Blick auf die Vertretung der politischen Parteien. Wieder vertrat die Frau die Veränderung und der Mann den Machterhalt. Diese Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern fällt mir immer wieder auf.


Letztes Jahr gingen zum Beispiel zwei Ausgaben der Sendung Forum auf Schweizer Radio SRF1 über den Äther, in denen zwei Frauen zu Gast waren, die mir nahe sind.



Zum einen «meine» Co-Präsidentin von KlimaGlarus.ch zur Frage: «Vorbild Glarus, sollen neue Ölheizungen verboten werden?» Lisa Hämmerlis Gegenüber war Hans Bättig vom Hauseigentümerverband des Kantons Bern. Mein Lieblingszitat daraus von Lisa Hämmerli, als es um die «viel zu teuere» Sanierung alter Gebäude geht:



«Grundsätzlich muss man sich zuerst fragen, ob es sinnvoll ist, dass man die Umgebung heizt. Also nicht nur das Haus, weil dieses so schlecht isoliert ist. Diesen Punkt muss man sowieso angehen, ob mit oder ohne Ölheizung. Es kann nicht sein, dass wir so ineffizient mit unseren Ressourcen umgehen.»

Lisa Hämmerli, SRF «Forum» vom 30. September 2021



Zum anderen «meine» Präsidentin der Lärmliga Schweiz h zur Frage: «Tempo 30 auch auf Hauptstrassen?» Das Gegenüber der SP-Nationalrätin Gabriela Suter aus dem Aargau war FDP-Kantonsrat Marc Bourgeois aus Zürich. Die Sendung fragmentierte das eigentliche Problem in lauter interessengebundene Ansprüche, auch der Zuhörer – Gabriela Suters Schlussvotum:



«Tempo 30 soll die Regel sein und Tempo 50 die Ausnahme. Damit schlagen wir drei Fliegen auf einen Schlag: Wir haben mehr Sicherheit, weniger Lärm und mehr Wohn- und Aufenthaltsqualität im Siedlungsgebiet.»

Gabriela Suter, SRF «Forum» vom 14. Oktober 2021



In beiden Sendungen empfand ich den männlichen Teil überheblich. Beide sind Vertreter alter Systemen, die zu den Problemstellungen führen, vor denen wir heute stehen. Beide wollten nicht wirklich etwas dazu beitragen, das Problem zu lösen.



Noch eine Spur krasser kam es mir bei Markus Lanz vom 18. Januar 2022 vor. Das Setting: Ein männlicher Gastgeber und vier Gäste, darunter eine Frau. Drei der Männer sind Journalisten; der vierte ist Publizist. Die Frau ist Deutschlands Umweltministerin und heisst Steffi Lemke.


Der eitle Gastgeber behandelte die Grüne mehr als journalistisch-kritisch. Natürlich unterbrach er Lemke immer wieder mit seiner Meinung und störte ihre Aussagen. Ein anderer Gast drang mit einem immer gleichen Thema viel zu lange auf sie ein, weil er nicht verstand, dass die Frau längst geantwortet hatte.



Irgendwann bekannte sich einer der anderen Gäste zu ihr. Irgendwann versuchten die beiden Herren die Dame sanfter zu behandeln – darum ging es aber gar nicht. Es wäre darum gegangen, diese Frau ernst zu nehmen. Das hätte auch der Substanz der Talk-Show gutgetan – zum Beispiel zum Comeback der Atomlobby.

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