Zeitreisen – Sachsen-Anhalt
Aktualisiert: 15. Sept.
Die nächste Zeitreise führt voraus statt zurück an einen Ort, wo ich noch nie gewesen bin, aber vielleicht einmal gewesen sein werde.
In vier von ihnen war ich schon. Über zwei habe ich bereits geschrieben. Sechs sind es insgesamt. Die ostdeutschen Bundesländer. Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen und Thüringen waren mir bereits Reisen wert. Brandenburg und Sachsen-Anhalt fehlen noch.
Schon als Kind hatte ich einen Hang zur damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR, 1949–1990). Das äusserte sich in einer Brieffreundschaft in der damaligen Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz (Sachsen). Später passierte mir dasselbe mit Jugoslawien (1918–2003).
Sowohl in den Osten Deutschlands als auch auf den Westbalkan zog es mich aus dem gleichen Grund: Sie und die Menschen von dort hatten einen schlechten Ruf in meinem Umfeld. Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie alle böse sind, wollte ich es selbst herausfinden. Meine Vermutung bestätigte sich jedes Mal: Gute Menschen gibt es überall.
Wernigerode
Meine letzte Reise nach Ostdeutschland hätte eigentlich nach Wernigerode am Harz führen sollen. Weil ich meinen Entscheid hinauszögerte, kam ein Konzert in Leipzig (Sachsen) auf den Plan. Sachsen-Anhalt muss(te) also warten.

Halle (Saale)
Meine Recherche über Sachsen-Anhalt führte schnell in eine Leipzig nahe gelegene Stadt und zur TV-Serie Der Anschlag – Terror in Halle und Wiedersdorf. Am 9. Oktober 2019 tötete dort der einheimische, rechtsextreme Stephan zwei seiner Landsleute, Jana (40) und Kevin (20), und übertrug seinen online angekündigten versuchten Massenmord im Livestream.
Eigentlich wollte ich diese Zeitreise zum Jahrestag der Tat am 9. Oktober 2026 bringen. Weil die True-Crime-TV-Serie dazu nur noch bis am 24. September 2026 online verfügbar ist, muss ich schneller nach Sachsen-Anhalt zeitreisen.
In der zweiten Folge fällt ein Zitat besonders ins Gewicht. Darin sagt Reiner Hasselhoff, CDU-Ministerpräsident Sachsen-Anhalt von 2011 bis 2026, dass der Nationalsozialismus nicht vom Himmel gefallen sei, sondern über Jahrhunderte hinweg das Ergebnis einer antisemitischen und auch rassistischen Entwicklung eines Volkes sei. Wer glaube, dass sowas nie wieder vorstellbar sei, wisse nicht, was in der menschlichen Geschichte passiert sei und dass es sich immer wieder wiederholen könne.
Auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts erinnern die Gedenkstätten des KZ Lichtenburg/Prettin, des KZ Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt und der Haftanstalt Roter Ochse Halle/Saale an die Opfer des nationalsozialistischen KZ-Systems und an die Ausbeutung von Menschen als blosses Arbeitsmaterial.
Von Folge zwei und Folge drei sind Kurzversionen auf YouTube vorhanden. Die Folge «Das Trauma» habe ich noch nicht gesehen und hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) vollständig auf YouTube veröffentlicht. Gut möglich, dass sie Folge 1 entspricht, weil die ganze Serie laut KI aus drei Episoden besteht. Auch ein Podcast über den Anschlag ist verfügbar.
Ein Jahr und zwei Monate später wurde Stephan Balliet, damals 28 Jahre alt, wegen zwei Morden und 68 Mordversuchen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschliessender Sicherungsverwahrung verurteilt.
Die 13 Bilder
Dank Gratis-Bildplattformen bin ich auch ohne dagewesen zu sein auf Bilder aus meiner vielleicht zukünftigen Reise auf der Suche nach guten Menschen in Sachsen-Anhalt gestossen: aus Wernigerode, Halle und der Landeshauptstadt Magdeburg.
Das dreizehnte Bild zeigt das Tal der warmen und kalten Bode im Harz. Offenbar handelt es ich um eine Wanderarena mit viel Wald und sogar einem Hexentanzplatz. Tönt alles ziemlich nach meinem Gusto.

Das Rezept
Auch Linsensuppe ist ganz nach meinem Gusto. Ich entdeckte sie auf einer meiner Reisen in die deutsche Hauptstadt in einer Ostberliner Kneipe. Heute gibt es deftige Linsensuppe nach Opas Art mit Blutwurst aus Sachsen-Anhalt.
Zutaten
2,5 Liter Wasser
500 g Linsen
750 g Schweinefleisch vom Kopf oder Bauch
4 mittelgrosse Kartoffeln
2 grosse Möhren
200 g Sellerie
1 Esslöffel Gemüsebrühe (Pulver)
300 g Blutwurst (geräuchert)
Salz, Zucker, Essig
Zubereitung
Linsen 12 Stunden vor dem Kochen einweichen.
Linsen etwa 30 Minuten in Wasser kochen, anschliessend in Würfel geschnittenen Schweinekopf/Schweinebauch hinzufügen und weitere 15 Minuten kochen.
Kartoffeln, Sellerie und Möhren waschen, schälen, in Würfel schneiden und separat weich kochen, dann zu den Linsen geben.
Die Blutwurst pellen, würfeln und ebenfalls hinzugeben.
Alles nochmal 5 bis 10 Minuten aufkochen lassen, Brühe hinzufügen und mit Salz, Zucker und Essig abschmecken.

Weitere Rezepte wie den Baumkuchen aus Quedlinburg, den Braunkohl aus der Altmark oder den Rührkuchen mit Apfeltrester verrät der MDR auf seiner kulinarischen Entdeckungsreise durch Sachsen-Anhalt.
Das Lied
Kurz vor dem Anschlag veröffentlichte der Täter sein Bekennerschreiben. Anfangs wollte er eine Moschee oder ein Antifa-Zentrum stürmen. Doch wollte er vorrangig jüdische Menschen ermorden, da sie hinter muslimischer Einwanderung steckten. Die Synagoge sei der nächstgelegene Ort. Am Jom Kippur würden sich dort viele jüdische Menschen aufhalten. Quelle: Wikipedia
Auf der Suche nach dem Lied zu dieser Zeitreise bin ich auf den Moritzhof in Magdeburg gestossen. Auf seinem YouTube-Kanal präsentiert der offene Kulturhof auch Musik von Foyal. Die Magdeburger Band hat sich zuerst traditionellem Klezmer, Musik des Balkans und der Roma, später auch bretonischem und irischem Folk verschrieben.
Während der ersten Jahre der Nazi-Herrschaft konnten unter dem Dach des Jüdischen Kulturbundes einige wenige Plattenlabels weiter produzieren. Fast alles wurde später vernichtet. Jahrzehnte danach wurde einiges wiederentdeckt. Mehr darüber verrät Deutschlandfunk Kultur auf seiner Zeitreise in eine verlorene und revitalisierte Musikkultur.
In Sachsen-Anhalt macht ein Kultur- und Bildungsprojekt jüdisches Leben zugänglich. Gemeinsam mit jüdischen Gemeinden, kulturellen Initiativen und Partner:innen entsteht ein vielfältiges Programm. Das Projekt lädt zu Begegnung, Austausch und Dialog ein.
Das Supplement
Sachsen-Anhalt wurde auch am 20. Dezember 2024 von Amok erschüttert. Der saudische Mediziner Taleb bin Jawad bin Hussein al-Abdulmohsen fuhr in Magdeburg mit einem PKW am Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge, nahm sechs Menschen das Leben und verletzte 323 weitere.


















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