Alle, die nicht vorher sterben, werden alt
- Fee

- 3. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Die Landsgemeinde ist immer ein besonderer Tag für die Menschen im Kanton Glarus. Nicht immer gleich, aber immer besonders. Dieses Mal stieg ich zum zweiten Mal auf den Bock.
Der Bock ist das Podest, auf dem der Landammann steht und der Ratsschreiber sitzt. Dort können die Stimmberechtigten ihr Votum für oder gegen eine Vorlage vorbringen. Sogar Änderungen sind möglich. Anders als bei meinem ersten Mal war ich überhaupt nicht aufgeregt, fühlte mich wohl im Thema und hatte einen guten Lauf.
Hoch geachteter Herr Landammann
Hoch vertraute, liebe Mit-Land-Leute
Im Namen der SP beantrage ich, dem Memorialantrag «Nachhaltigen und gemeinnützigen Wohnungsbau fördern» – wie von Franz Landolt vorgestellt – zuzustimmen. Ich sehe es also etwas anders als meine Vorrednerin, obwohl ich auch in der Gemeinde lebe, die offenbar gut arbeitet.
Alle unter uns, die nicht vorher sterben, werden alt. Und ich behaupte, die meisten von uns wollen alt werden. Der Wunsch wird für immer mehr Wirklichkeit: Laut Regierungsrat wächst die Bevölkerung im Glarnerland nämlich vorwiegend in der Altersgruppe ab 65 Jahren.
Das heisst nicht nur, dass uns ein Pflegenotstand bevorsteht, die Finanzierung der Renten herausfordernd wird und die Mobilität auf ältere Menschen ausgerichtet werden muss. Das heisst auch, dass uns bezahlbarer Wohnraum für diese Altersgruppe fehlt.
Viele von uns kennen es: Unsere Eltern oder wir selbst bleiben im eigenen Haus oder in einer Wohnung, die schon längst zu gross ist. Der Wunsch nach einem einfachen, praktischen, schönen Daheim ist da, aber das Angebot fehlt. Im Rentenalter für weniger mehr bezahlen, ist für viele nicht attraktiv oder schlicht nicht machbar.
Zum Beispiel hier setzt gemeinnütziger Wohnungsbau an: Er schafft preisgünstigen Wohnraum für die Allgemeinheit oder spezielle Bevölkerungsgruppen, wie eben ältere Menschen. Aber auch für Familien und Normalverdienende.
Liebe Mit-Land-Leute
Unser Kanton hat kein Fördergesetz in diesem Bereich. Es wird gesagt, dass unsere Mieten vergleichsweise tief sind. Vergleichsweise tief sind aber auch unsere Löhne. Dazu kommt: Auch bei uns wird Wohnen langsam aber sicher teurer. Darauf zu warten, bis der Notstand eintrifft, ist wenig vorausschauend.
Schliesslich werden eben die meisten von uns alt. Das gilt auch für die Jüngeren. Ich hoffe, dass sich schon bald viele Glarner:innen während der zweiten Lebenshälfte selbständig für eine andere Wohnform entscheiden und anderen Generationen Platz machen können.
Danke, dass Sie dem zustimmen, was Franz Landolt vorschlägt. Es ist ein Ja für eine gesunde, gesellschaftsnahe Entwicklung vom Glarner Immobilienangebot.





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