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Der Eisbär – das Delirium

Langsam aber sicher wird es heiss … nicht nur wegen des Sommers. Auch dem Eisbären machen die Temperaturen zu schaffen.


In Teil drei begann der Eisbär seine Hoffnug zu verlieren. Er wanderte über Jahre rund um den Erdball und hatte noch immer keine Eisbären-Klinik mit psychiatrischer Abteilung gefunden. Als er in Kenya ankam, hatte er die Hoffnung endgültig aufgegeben.



Inzwischen hatte er sogar wieder an Gewicht zugelegt. Kein Wunder: Weil er bisher keinen Psychiater finden konnte, tröstete er sich mit Bier. Auch jetzt sass er wieder vor einer Flasche in einem Restaurant. Er war hier anfänglich als weisser Bär etwas verunsichert. Weil ihm aber alle sehr freundlich begegeten, legte sich dieses Gefühl rasch.


Obwohl er hier alles hatte, um sich wohl zu fühlen, plagte ihn seine diffuse Unzufriedenheit. Der Blick auf ein Boot, das am Strand lag, machte ihm zu schaffen. Er hatte ein Déjà-vu und wusste nichts damit anzufangen.



In seinem Delirium fragte der Eisbär den Braunbären-Kellner, was er in den letzten Jahrzehnten schon so manches Mal gefragt hatte: «Wo ist die nächste Eisbären-Klinik mit psychiatrischer Abteilung?» Er kannte die Antwort bereits. Entweder würde der Kellner keine Ahnung haben oder die Klinik hätte kürzlich geschlossen. Doch dieses Mal sollte es anders sein.


Der Eisbär traute seinen Ohren nicht, als der Kellner antwortete: «Du musst mit dem Boot da unten am Strand hinaus auf das runde Meer fahren und bis zum Grund tauchen. Dort wurde vor einigen Jahren die beste und inzwischen bekannteste Einsbären-Klinik mit psychiatrischer Abteilung eröffnet. Ich war selber schon dort, wurde aber wieder heimgeschickt, weil die Klinik auf weisse Bären spezialisiert ist. Man sagte mir, wir seien robust genug, um uns selbst zu helfen.»



Der Eisbär wurde ungeduldig und vergass völlig zu fragen, wie der Braunbär-Kellner trotzdem zu seiner Behandlung gekommen war. Er wollte einfach nur mehr wissen über die Eisbären-Klinik und der Kellner erzählte mehr: «Sie konnten mich zwar nicht behandeln und empfahlen mir, eine eigene Braunbären-Spezialklinik aufzubauen. Dafür versuche ich hier Geld zu verdienen. Mein Eindruck von der Eisbären-Klinik ist aber hervorragend. Dort bist Du bestimmt am richtigen Ort.»


Der wieder kugelrund gewordene Eisbär bezahlte seine neunundzwanzig Flaschen Bier, bedankte sich beim Braunbären-Kellner, vergass das Trinkgeld und machte sich auf die Tatzen zum Boot.



Wie es weiter geht, ist irgendwann an dieser Stelle in Teil fünf zu erfahren. Was vorher geschah, steht in Teil eins, zwei und drei geschrieben.

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