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Freuen wir uns einfach, und machen wir was draus

Zur Fasnacht habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Sie beschäftigt mich jedes Jahr. Sogar in diesem Jahr, als sie nicht stattfand – mit einer grossen Ausnahme.


Während es in meinem heutigen Zuhause im Kanton Glarus zu kleinen Aktionen kam, war meine alte Heimat Einsiedeln der Hot Spot der verbotenen Fasnacht 2021.


Die Einsiedler und ihr Nationalrat wurden als verantwortungslos verschrien. Natürlich hatten auch Andere ihre Argumente parat und stellten klar, dass an schönen Wochenenden auch viele sonnenhungrige Touristen in Einsiedeln zusammenkommen.



Was vom traditionell selbstorganisierten Sühudi-Umzug am 15. Februar einzig übrig zu bleiben droht, sind ein Richtig oder ein Falsch, ein Dafür oder ein Dagegen. Nichts Neues also. Spaltende Reflexe waren schon vor der Pandemie verbreitet und sind wenig hilfreich.


Zwischen Richtig oder Falsch kann das Spektrum durchaus gross sein, sofern wir uns Fragen zu unserem Zusammenleben erlauben. Was uns gemeinsam wie wichtig ist, müssen wir sowieso überdenken. Schliesslich ist die Welt auch ohne diese Pandemie gefährlich und ungerecht.



Die Crux: Für gesellschaftliche Fragen braucht es ein kulturelles Leben mit zwischenmenschlichen Kontakten. Findet es zu lange nicht statt, entfremden sich die Menschen voneinander – im schlimmsten Fall bis zur gesellschaftlichen Verwahrlosung in den eigenen vier Wänden oder auf den eigenen vier Rädern. Ergo: Wir kommen nicht darum herum, Formen zu finden, uns wieder persönlich und ehrlich zu begegnen.


Zwei Wochen nach dem Sühudi-Umzug zeigt die Corona-Statistik für Einsiedeln eine sinkende Tendenz. Dass es zu keinem Ansteckungs-Eklat kam, ist ein Grund zur Freude.


Taskforce-Präsident Martin Ackermann warnt verständlicherweise vor dem Schluss, dass Anlässe im Freien kein Risiko seien. Dazu brauche es eine breitere Datenlage. Nur: Ohne Erfahrung kommen wir nicht zu mehr Daten. Gleichzeitig sind Versuchsballone riskant.



Vielleicht führen lokale Versuche zu mehr Erfahrung mit geringem Risiko. Am Sühudi-Umzug nahmen vor allem Einsiedlerinnen und Einsiedler teil. Es begegneten sich also Menschen aus dem gleichen Dorf und nicht aus der ganzen Schweiz.


Auch Martin Ackermann sagt, dass Mobilität und Kontakte zwischen Leuten, die sich sonst nicht sehen, das Risiko einer Übertragung erhöhen. Auch nichts Neues: Schliesslich hat sich das Virus weltweit genauso durch unser Mobilitätsverhalten verbreitet, wie der Einsatz und die Art unserer Verkehrsmittel wesentlich zu den Bedrohungen der Erderwärmung und anderen gesundheitlichen Gefahren beitragen. Im Verkehr hat es die ganze Welt mindestens so übertrieben, wie es die Einsiedler an ihrer Fasnacht getan haben.


Wie am Sühudi-Umzug lassen wir uns bei den schrittweisen Öffnungen hauptsächlich zu Spaltungsreflexen verführen. Dabei könnten wir diese kleinen Schritte auch zur Öffnung und Lockerung unserer Herzen nutzen, damit sie nicht verhärten.



Im Glarnerland dürfen am 6. März die Fridolinsfeuer brennen. Der Brauch zum Namenstag des heiligen Fridolin ist familiär und findet in praktisch jedem Glarner Dorf statt.


Der Glarner Feuerbrauch ist das religiöse Pendant zum fasnächtlichen Pagat-Verbrennen, das jeweils am Dienstag nach dem Sühudi-Umzug die Einsiedler Fasnacht beendet.



Tipp: Unabhängig von der Pandemie, sind bei Veränderungen kleine Schritte wichtig für die Menschen. Je mehr wir in kleinen Portionen üben, desto mehr Verbindungen knüpft unser Hirn. Durchhalten wird leichter, unser Kopf kommt langsam auf den Geschmack und verlangt zusehends nach der idealen Dosis. Wichtig ist also in erster Linie, mit dem Üben zu beginnen.


Klimawandel und Gesundheit
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Verkehrslärm und Gesundheit
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