Gut zu Vögeln
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Am kommenden Mittwoch ist wieder Landratssitzung im Rathaus Glarus. Traktandiert ist auch ein Vorstoss, der Vögeln helfen soll. Ich habe die Motion eines Ratskollegen mitunterzeichnet.
Vögel spielen eine zentrale Rolle für Dinge wie ökologisches Gleichgewicht, Biodiversität und Lebensgrundlagen für Menschen.
Ökosysteme Vernetzung durch die Verbreitung von Samen & Früchten
Blütenbestäubung Vögel leisten einen unverzichtbaren Beitrag
Schädlinge Vögel sind natürliche Feinde
Bioindikatoren Vogelbestand als Fieberthermometer für den Zustand unserer Umwelt
Trotzdem sind sie durch Eingriffe des Menschen in ihren Lebensraum (und/oder Folgen davon) gefährdet. Es ist also überlebenswichtig, gut zu Vögeln zu sein.
«Der Tod an Scheiben, der sogenannte Vogelschlag, ist ein bekanntes Vogelschutzproblem. Gemäss Schätzungen ist von jährlich drei Millionen getöteten Vögeln auszugehen. 130 verschiedene Arten sind bei uns als Scheibenopfer nachgewiesen.»
So lautet die Ausganglage der Motion «Verankerung des Vogelschutzes im Raumentwicklungs- und Baugesetz». Für den Vogel endet der Zusammenstoss mit einer Glasfläche meistens tödlich. Auch wenn er sich scheinbar erholt und wieder davonfliegt, verendet er später an einem Schädelhirntrauma oder anderen inneren Verletzungen.
«Eigentlich sehen Vögel sehr gut. Pro Sekunde nehmen sie viel mehr Bilder wahr, als wir Menschen. Je nach Art haben sie sogar einen Rundumblick, um gewappnet zu sein gegen blitzschnelle Jäger. Aber auf Glas haben sich die Vögel über hunderttausende Jahre der Evolution nicht eingestellt.»
So berichtet es SRF im Echo der Zeit am 19. Januar 2023. Dabei ist Vogelschlag bei Weitem nicht die einzige Todesgefahr für Vögel. Auch die Landwirtschaft beeinflusst ihren Rückgang. Seit 1980 ist die Vogelzahl laut einer Studie um ein Viertel gesunken. Besonders betroffen sind Vögel, die in Agrarlandschaften leben – ihr Bestand sank um über 50 Prozent. Mehr darüber ebenfalls im Echo der Zeit vom 16. Mai 2023.
Der Vorstoss im Glarner Landart verlangt, dass der Vogelschutz bei Fenstern und spiegelnden Flächen an Neubauten gewährleistet ist, und dass bei Sanierungen von Altbauten Massnahmen gegen Vogelschlag umzusetzen sind, wenn die Fenster ersetzt werden.
Eine gute Sache also. Das findet auch der Regierungsrat in seinem Antrag und will die Motion zwar ablehnen, ist aber bereit, den Vogelschutz im Sinne der Regelungen in anderen Kantonen gesetzlich zu verankern. Immerhin:
«Der Regierungsrat lehnt die Motion aufgrund der sehr weitreichenden Forderungen ab. Er ist jedoch bereit, den Vogelschutz im Sinne der Regelungen in anderen Kantonen gesetzlich zu verankern. Dabei soll voraussichtlich ein risikobasierter und verfahrensökonomischer Ansatz verfolgt werden, der beispielsweise auf die Grösse der ununterbrochenen Glasfläche einer Baute abstellt.»
Eigentlich könnte ich dem Regierungsrat folgen und die Motion ablehnen, obwohl ich sie unterzeichnet habe. Lehne ich ab, wird mein Abstimmungsverhalten bei der Auswertung vor den nächsten Wahlen verzerrt. Um das zu verhindern, könnte ich sie in ein Postulat umwandeln und als solches überweisen lassen.
Gut zu Vögeln zu sein, hilft also auch meiner politischer Glaubwürdigkeit. Viel wichtiger sind aber die betroffenen Tiere selbst, denn 40 Prozent unserer Brutvögel sind bedroht, weitere 20 Prozent sind es potenziell. Im Landwirtschaftsland steht zum Beispiel der Kiebitz unter grossem Druck.
Bird Life Glarnerland unterstützt und fördert die Schaffung und Pflege von Natur- und Vogelschutzgebieten, beteiligt sich an der Aufklärung der Bevölkerung über Fragen des Vogelschutzes, des Naturschutzes und der Vogelkunde, bietet Kurse, Exkursionen und Vorträge an und vertritt die Natur- und Vogelschutzanliegen bei politischen Entscheiden.
Ich kenne vier der sieben Vorstandsmitglieder persönlich. Keines von ihnen hat mich politisch beeinflusst, um die Motion zu unterstützen. Ich bin dankbar, dass mir Mathias Zopfi die Gelegenheit geboten hat, mit meiner Unterschrift Vögeln zu helfen und mehr über sie zu erfahren.
Der Podcast, von dem ich den Titel dieses Beitrags gestohlen habe, ist mir schon vor einigen Monaten über den Weg gelaufen. Er ist eine weitere Form, sich für Vögel zu sensibilisieren.
Zwei der ersten Lieder, die in mein Leben traten, handeln von Vögeln. Alle Vögel sind schon da ist eines der bekanntesten deutschen Frühlings- und Kinderlieder. Der Text von 1835 stammt aus der Feder von August Heinrich Hoffmann. Von Alle meine Entlein sind die Urheber:innen nicht bekannt. Das Volkslied stammt vermutlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Neuer ist mein Lieblings-Vogellied. Die Einstürzenden Neubauten haben es via Manfred in mein Ohr getragen. Es gehört zum Album Perpetuum Mobile von 2004.
Der Bandname ist auch für mein Landrats-Dasein in den nächsten Jahren Programm. Neu bin ich Mitglied der Kommission Bau, Raumplanung und Verkehr. Dort habe ich zum Beispiel bei der Vorberatung des neuen Raumentwicklungs- und Baugesetzes (RBG) auf dem Radar, ob der Regierungsrat sein Versprechen hält und den Vogelschutz in die Gesamtbetrachtung aufnimmt. Verankert ist er erst, wenn ihm die Landsgemeinde (voraussichtlich 2028) zustimmt.





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