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Verschenkte Blumen

  • Autorenbild: Fee
    Fee
  • 24. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Auch an meiner ersten Sitzung als wiedergewählter Landrat musste ich mich wieder gegen Geld für Umfahrungen wehren. Eine halbe Million dafür war mir einfach zu viel, um zu schweigen. Ich war nicht ganz der Einzige.


Die Blumen für den Sieg in der Abstimmung gegen die FDP-Motion «Beschleunigte Planung Verkehrserschliessung Glarnerland» gingen an mir vorbei, da die SVP sich ebenfalls dagegen einsetzte. Aus anderen Gründen natürlich.


Die FDP war nicht besonders begeistert und kritisierte ihren potenziellen Partner im neu zusammengesetzten Parlament: Glarner SVP lässt einmalige Chance verstreichen.


Es gelang (mir) also ein weiteres Mal, mich maximal uninteressant zu machen, obwohl ich nicht geschwiegen hatte. Vielleicht hätte ich doch besser ein Blumenhemd getragen, den Blazer zugeknöpft und mich an mein Skript gehalten.


Herr Präsident

Meine Damen und Herren


Im Namen der SP-Fraktion beantrage ich, dem Regierungsrat zu folgen und die Motion abzulehnen.


Es ist schon ein Planer beauftragt. Das Kernanliegen der Motion ist also bereits erfüllt. 500’000 Franken für noch mehr Planung auszugeben, ist nicht nötig – erst recht nicht in Zeiten des Spardrucks.


Sowieso schauen wir schlauer, was jetzt konkret machbar ist. Das machen Kanton und Bund tatsächlich, wenn auch noch mit angezogener Handbremse.


Ein Grundlagenpapier dafür hat das Netzwerk «Glarus zukünftig mobil» schon vor vier Jahren gratis und franko für den Kanton erstellt. 


Danke für die Ablehnung dieser Motion.




Um ehrlich zu sein, hatte ich dieses Mal keinen Bock, mich schon wieder zu diesen Umfahrungen zu äussern. Mir wäre es lieber, wenn sich die Glarner:innen endlich einen Ruck geben und ihr Mobilitätsverhalten ändern würden. Dazu bräuchte es nicht zwingend Gesetze, Verordnungen, Förderangebote, Verbote oder Budgets.


Glarner Gemeinschaftsprojekt


Einige Tage nach dieser Landratssitzung versuchte mich jemand davon zu überzeugen, dass die Umfahrungen das Glarner Gemeinschaftsprojekt schlechthin seien und wir alle am gleichen Strick ziehen sollen. Für eine gewisse Aufmerksamkeit sorg(t)e ich also doch.


Ja, klar, der Verkehr ist unser Gemeinschaftsprojekt Nummer eins. Wenn es aber nur um Umfahrungen geht und alles andere auf später verschoben wird, bricht dieser Strick dem Glarnerland das Genick. Das zu verhindern, ist meine Verantwortung als Landrat.


Lösungen für das Glarner Verkehrsproblem habe ich in einer früheren Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Glarus zukünftig mobil ausgearbeitet und dem Regierungsrat gratis und franko zur Verfügung gestellt. Die Essenz:


Besser lenken: Digitalisierung nutzen!

«Wir müssen die bestehenden Strassen besser nutzen, statt nur neue zu bauen. Zum Beispiel können digitale Ampelsysteme helfen, den Verkehr zu dosieren, statt ihn in den Dörfern zu stauen. Auch Mitfahrsysteme sind zentral: Dabei fahren Privatpersonen gemeinsam, statt allein im Auto.»


Mehr teilen: Platz für alle machen!

«Der knappe Platz auf unserem Talboden gehört nicht nur dem Auto – er gehört der Landwirtschaft, der Biodiversität, der Freizeit. Die heutige Infrastruktur reicht für alle Verkehrsformen, wenn das Auto Platz macht: für Busse, für E-Bikes und normale Velos, für Fussgängerinnen und Fussgänger.»


Klug vernetzen: Vorhandenes verbessern!

«Wir haben alles: Schienen, Strassen, Busse, Velo- und Fusswege. Vernetzen wir die verschiedenen Verkehrsmittel klug, sind wir klimagerechter unterwegs. Zum Beispiel fördert der Bund Verkehrsdrehscheiben – das sind Umsteigepunkte, wo frühzeitig vom eigenen Auto auf andere Verkehrsmittel umgestiegen wird.»


Weder dafür noch für den ergänzenden Rat des Netzwerks interessierten sich die Lokalmedien vor vier Jahren. Vermutlich hätten wir Strassenblockaden organisieren müssen, um danach im Gefängnis zu landen und Aufmerksamkeit zu erlangen. Skandale oder Staus, die Wut darüber und Schuldzuweisungen an den damaligen Baudirektor sorgten nun mal für mehr Klicks als konstruktive Lösungsangebote.


Ob dieser Ansatz der Lokalmedien für deren Beitrag zum wichtigsten Gemeinschaftsprojekt des Kantons reicht, bleibt zu bezweifeln. Ich liesse mich vom Gegenteil überzeugen und würde sogar Blumen dafür überreichen. Bis es Blumen für mich gibt, kann ich sie mir selbst besorgen.


I can buy myself flowers Write my name in the sand Talk to myself for hours Say things you don't understand I can take myself dancing And I can hold my own hand Yeah, I can love me better than you can Refrain von Flowers, Miley Cyrus


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