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Lautstarke Trugschlüsse

Schon mal Debatten verfolgt oder an Diskussionen teilgenommen, die sich um den Strassenverkehr drehen – um Parkgebühren, Tempo-30-Zonen oder um Massnahmen gegen besonders laute Fahrzeuge? Dort schreit der Lärm der Strasse oft heftig weiter – zum Teil durchaus sachlich, oft aber mit einer geballten Ladung Unverständnis und Problemverdrängung.



Das Unverständnis für den gesundheitsschädlichen Lärm ist besonders weit verbreitet. Und das obwohl der Hauptverursacher Strassenverkehr lautstark durch Städte und Dörfer donnert, die Lärmschutzverordnung bereits seit 35 Jahren in Kraft ist und krank machendem Strassenlärm heute offiziell 1,1 Millionen Menschen in der Schweiz schutzlos ausgesetzt sind ­– unter Anwendung der WHO-Lärmgrenzwerte sind es vier Millionen.


Mit Sachlichkeit Paroli bieten


In Lärmdiskussionen kriegt man schon mal «Spiesser!» oder «Halt die Fresse!» an den Kopf geschmissen – und das ist noch harmlos. Ohnmacht ist nicht selten der Reflex, sollte aber nicht die Antwort sein. Selbst in sachlichen Diskussionen beruhen viele Behauptungen nämlich auf verbreiteten Irrtümern.



Die Expertinnen und Experten vom Cercle de Bruit haben die grössten Irrtümer zum Strassenlärm dokumentiert. Ich beleuchte an dieser Stelle meine «Top 3» der besonders unsachlichen Klassiker.


Wer den Lärm nicht erträgt, soll umziehen!

In der Schweiz sind offziell 1,1 Millionen Menschen an ihrem Wohnort von übermässigem Strassenlärm betroffen. Sie alle umzusiedeln, anstatt den Lärm an der Quelle – an der Strasse und an den Fahrzeugen – zu reduzieren, käme einem masslos aufwändigen Schildbürgerstreich gleich. Zudem würde das Problem vermutlich noch grösser: Wer ruhig wohnt, fährt nicht selten durch Städte und Dörfer, bis er in seiner Oase der Ruhe ankommt.



Es hat einfach zu viele Menschen in der Schweiz!

Im ersten Moment naheliegend, taugt dieser Reflex aus mehreren Gründen nicht. Zum einen hat die Anzahl Personenwagen in der Schweiz seit 1990 um 54 Prozent zugenommen, die Bevölkerung aber nur um die Hälfte, also um 27 Prozent. Zum anderen liefert der Reflex die vermeintlich einzige Lösung und ignoriert die Realitäten. Die Haltung bleibt also unwirksam, weil die Ursachen anderswo liegen – zum Beispiel im gesteigerten Fahrverhalten oder in der marketingstarken Autoindustrie.



Die links-grünen Lärmschützer sind Trittbrettfahrer der Corona-Krise!

Die Lärmliga Schweiz kämpft seit 1956 auf rechtlicher und politischer Ebene gegen Lärm auf allen Ebenen. Die gesundheitlichen Folgen des Lärms sind nicht nur mit der SiRENE-Studie oder laut WHO wissenschaftlich belegt, es existieren auch Gesetze und Verordnungen. Zudem: Epidemische Zustände wie die Lärmkrise betreffen die ganze Gesellschaft und lassen sich deshalb nur gemeinsam, frei von politischer Färbung, lösen.



Lärmschutz ist Gesundheitsschutz


Weil das Verständnis nach wie vor nicht in der breiten Bevölkerung angekommen ist, sensibilisiert die Lärmliga Schweiz auf die gesundheitlichen Auswirkungen des Lärms. Sie legt dabei einen Fokus auf die Hauptursache: den Strassenverkehr.



Auch kantonale und kommunale Lärmschutzverantwortliche setzen vermehrt auf Sensibilisierung – zum Beispiel der Kanton Tessin, wie die SRF-Sendung Echo der Zeit am 24. Januar 2021 berichtet.


Quelle: Diesen Beitrag durfte ich ursprünglich im Leiser_Blog der Lärmliga Schweiz veröffentlichen.

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