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Fünfzig

Heute verbrachte ich meinen Geburtstag in Wien. Es gibt zum Glück das ganze Jahr über genug mit Menschen zu feiern, die ich gern habe. Deshalb feierte ich allein in der Stadt, die ich schon immer einfach mochte.


Es wurde 9 Uhr, bis ich aufgestanden war. Eine recht gute Zeit für Ferien, für Samstag, für Geburtstag und für meinen Rhythmus. Wie an allen anderen Tagen waren mir zuerst Kaffee(s) und Zigarette(n) wichtig. Also raus aus dem Hotel und rein in das Getümmel.


Kaffee an der Strasse


Das erste Hipster-Café liess ich links liegen. Danach befürchtete ich, dass das ein Fehler war. Dann stiess ich auf die Alternative und vorbei war das Gefühl des Fehlers. Da sass ich und lauschte den kroatischen, bosnischen oder serbischen Taxifahrern mit Pilotensonnenbrillen auf, die sich miteinander unterhielten. Mein ungepflegtes Serbokroatisch (oder Kroatoserbisch oder Bosnisch) liess es nicht zu, etwas zu verstehen. Es hörte sich nach morgendlichem Drama an.



Ich war ganz froh, nicht alles zu verstehen. Und die Bedienung war auch ganz froh, war wenigstens ich ruhig. Auch so hatte ich noch den Eindruck, dass sie nicht besonders erfreut war, mich auch noch bedienen zu müssen. Ich blieb sitzen – den Verkehr beobachtend, der mir so fremd ist, der Sprache lauschend, die mir so gefällt, und die Laune mit der Bedienung teilend.


Beim Zahlen der 5 Euro 20 überwand ich mich dazu, grosszügig sedam (sieben) zu sagen. Die Bedienung verwandelte sich in eine lächelnde Frau wegen der Fetzen gemeinsame Sprache. Ich kriegte ein Kroasan (Croissant) und gab ein Hvala lijepa (vielen Dank) zurück, bevor ich mich mit do videnja (bis bald) verabschiedete.


Blumen auf dem Weg


Das Croissant ass ich im Gehen. Immerhin ging ich langsam. An einer Kreuzung erspähte ich auf der gegenüberliegenden Seite einen Blumenverkaufsstand. Das Bedürfnis wuchs, mir einen Blumenstrauss zu schenken.


Wenn ich in oder vor einem Blumenladen stehe, denke ich immer an meinen Traumberuf Florist. Ich entschied mich dagegen, weil man dafür früh aufstehen muss. Ob das stimmt, weiss ich bis heute noch nicht. Zum Frühaufstehen hat sich inzwischen die Klimabilanz als Ausrede gesellt. Und vor ein paar Monaten sagte ein Freund mal in einem Nebensatz, dass Schnittblumen tote Pflanzen seien. Seither sind es drei Ausreden.



Den Blumenstrauss schenkte ich mir dann doch. Ich wollte ihn in den Farben der dreizehnten Fee zusammengestellt: pink und blau. In Pink gab's eine grosse Auswahl; in Blau gab's Disteln. Das Resultat wurde zum Titelbild dieses Beitrags.


Nach dem Kauf dachte ich an jemanden, mit dem ich mich durch meine Freude an Schnittblumen verbunden fühle. Und kurz träumte ich davon, doch noch einen klimafreundlichen Weg zu finden, an toten Blumen genug Freude zu haben, um als Florist früh aufstehen zu wollen.



Liebe im Park


Zurück in meinem kleinen, aber recht hübschen und gemütlichen Einzelzimmer im Hotel Urania erhielt der Blumenstrauss eine Vase und eine Position vor dem bronzefarbenen (und auch so schimmernden) Vorhang.


Dann packte ich alles ein, was ich für den Praterpark brauchte und nicht sowieso dabei hatte: Tuch, Powerbank, Kabelkopfhörer. Mein Plan an diesem vermutlich letzten warmen Tag des Jahres war, ihn draussen an der Sonne (Sunce) zu geniessen, von dort aus die Nachrichten mit Geburtstagswünschen zu beantworten und mit drei lieben Menschen zu telefonieren.



Mit einer dieser drei hatte ich schon im Café vor dem Blumenstrausskauf telefoniert; sie war schneller als ich. Ich hatte dort die Kabelkopfhörer nicht dabei – das führte dazu, dass ich fast nichts verstand und die Schultern nicht lange mitmachten.


Mit den anderen beiden sollten die Anrufe komfortabler sein. Allerdings waren die zwei gerade nicht erreichbar, also beantwortete ich die Geburtstagswünsche über WhatsApp, Signal, Threema und Konsorten – die einen als geschriebenen Text, die anderen als Sprachnachricht.


Dem vierten lieben Menschen – mit dem ich mich durch meine Freude an Schnittblumen verbunden fühle – wollte ich eine Videobotschaft schicken. Er hatte mir zwar nicht gratuliert und es bestand keine Aussicht darauf, dass er reagieren würde, aber es war mir ein Bedürfnis, mich an diesem Tag bei ihm zu melden, um mir treu zu bleiben.



Danach schaute ich mir das Video ein paar Mal an, dachte etwas über die Irrelevanz von Schuld nach, fühlte mich wohl mit mir, schickte es ab, packte meine Sachen zusammen und besorgte mir Bratwurst, Pommes und Bier.


Bei Speis und Trank, auf dem Weg ins Hotel – Wolken zogen auf; es wurde kühl – und am Donaukanal sitzend telefonierte ich mit dem zweiten und später im Hotel mit dem dritten lieben Menschen, der mir gleich noch einen fünften und sechsten lieben Menschen ans Ohr drückte.



Regen in der Nacht


Sich im Hotelzimmer hungrig schlafen, ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in den Ferien. So war das auch heute Abend. Erwartungsgemäss weckte mich der Hunger auf. Mit geputzten Zähnen und frisch angezogen ging's durch die Gassen des 3. Bezirks.


Irgendwann sass ich im Aussenbereich eines beliebten georgischen Restaurants. Als niemand Zeit für mich hatte, wechselte ich drei Häuser zurück in ein ziemlich unbeliebtes indisches Restaurant. Ich bestellte, was mir empfohlen wurde. Es war richtig viel auf dieser Platte, aber es war nicht richtig lecker.


Als es zu regnen begann, sass ich weiter draussen, um auszuessen und auszutrinken. Die Bedienung bat mich herein. Der Regen war schwach genug, um dankend abzulehnen und später nicht nach Küche zu riechen.


Als es dann später war, ging ich die beiden Strassenecken zurück in's Hotel, trank noch ein Bier mit mir selbst und stiess während der Prokrastination auf Gayromeo auf einen Profiltext, der den Tag und den Abend mit einem Schmunzeln bei leichtem Regen abrundete.



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This is Nudelholz.


Copy the Nudelholz into your profile to make better Kuchen or other Teigprodukte!


Oder take it und smack it on the Kopf of a deppate Person to give a better Gefühl than before.


Many people won't copy the Nudelholz because they don't care about Kuchen. But Kuchen is important!


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