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Helvetia

Aktualisiert: 8. Aug.

Gestern habe ich zum ersten Mal von einem Mann erfahren, dass er am 1. August Geburtstag hat. Er ist Iraker. Vorher kannte ich ausschliesslich Frauen mit Schweizer Pass, mit und ohne Migrationsbiografie, die an diesem Tag geboren sind.


«Helvetia auf der Reise» auf dem Kleinbasler Brückenkopf der Mittleren Brücke
«Helvetia auf der Reise» auf dem Kleinbasler Brückenkopf der Mittleren Brücke

Heute wünsche ich allen Geburtstagskindern alles Liebe. Auch allen Menschen in der Schweiz und in Benin. Das westafrikanische Land hiess früher Dahomey und hat heute ebenfalls Nationalfeiertag. Die Schweiz anerkannte Benin am 1. August 1960 als unabhängigen Staat.


Persönlich würde mir Helvetia als Namen für die Schweiz besser gefallen. Wenigstens ist die «Göttin» in Schweizer Münzen gegossen und steht ihr Name auf unseren Briefmarken.


Freiheit, Helvetia, Gemälde von Arnold Böcklin 
Freiheit, Helvetia, Gemälde von Arnold Böcklin 

Helvetia ist laut Historischem Lexikon der Schweiz die weibliche Personifikation der Schweiz: «Für die bildliche Darstellung lassen sich zwei Typen festmachen. Die symbolisch weniger aufgeladene, allegorische Variante, die sich nur auf den geografischen Raum der Schweiz bezieht, unterscheidet sich bis zu einem gewissen Grad von der politischen, welche die Nation und den Staat repräsentiert.»



Auch Georg Kreis schreibt im historischen Lexikon weiter, da sie (Helvetia) semantisch beinahe leer sei, liesse sie sich polyvalent vereinnahmen. Insofern gäbe es keine Biografie der Gestalt, sondern einzig eine Geschichte ihrer vielfältigen Verwendung. So gelange auch ich von Helvetia zur zeitgenössischen Schweiz.


Männer töten Frauen


In letzter Zeit haben die Schweiz besonders grausame Gewalttaten an Frauen erschüttert. Am 9. Juli tötete in Faido ein Schweizer seine Ex-Frau und sprengte sich einen Tag später bei einem Polizeieinsatz in Leontica in den Tod. Drei Polizeiangehörige wurden verletzt.


Kaum thematisiert wird laut Wild beim Wild, dass der Täter Hobby-Jäger war. Den Schuss auf das Opfer in einer Rehaklinik hörte niemand. Die Polizei geht von einem Schalldämpfer aus, der in der Schweiz verboten ist. Ausnahmen gibt es unter anderem für Personen mit Jagdpatent.


«Männer haben Angst, dass Frauen sie auslachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen.» Margaret Atwood, Schriftstellerin

Ebenfalls im Juli kam ein Horror für drei überlebende Frauen ans Licht. Mit K.o.-Tropfen soll ein Schweizer die minderjährige Tochter seiner Partnerin über 40 Mal sediert und vergewaltigt haben. Auch seiner Partnerin und einer dritten Person soll er Tropfen verabreicht und sie missbraucht haben. Letztere 140 Mal. Mutter und Tochter traten mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit.



Die Gemeinde Untersiggenthal zahlte den Opfern vorerst nur Not- statt Sozialhilfe aus. Das war rechtswidrig. Ende Juli zeigte sich das Migrationsamt doch noch bereit, den Polinnen eine Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls zu erteilen, statt ihnen weiterhin mit der Ausweisung zu drohen.


Auch in Zürich soll ein Facharzt jahrelang Patientinnen unter Narkose nackt gefilmt und sexuell missbraucht haben. Der 65-jährige aus Österreich sitzt in Untersuchungshaft.


Schon im Juni verstörte mich der Prozess zum Mord an einer 17-jährigen in Bellach. Ein Schweizer fragte sich bei der Fahrt mit einem Lieferwagen, wie es wohl sei, jemandem das Leben zu nehmen, und fuhr die junge Frau auf dem Velo an. Sie stand wieder auf, er verfolgte und würgte sie. Schliesslich überfuhr er sie durch mehrmaliges Vor- und Zurückfahren.


Prävention im Kanton Glarus


Laut Tätigkeitsbericht 2025 haben schwere Gewalttaten und Fälle häuslicher Gewalt im Kanton Glarus zugenommen. Zu den schweren Delikten zählen fünf Vergewaltigungen, eine davon in Näfels. Dem verhafteten Afghanen konnten weitere Delikte nachgewiesen werden.


Ebenfalls in Näfels beging ein selbsternannter Heiler sexuellen Missbrauch an einer Erwachsenen und zwei Kindern, ebenfalls mit Betäubungsmitteln. Von der Anklage (2012) des Opfers bis zur Verurteilung (2021) des Täters dauerte es neun Jahre.



Der Fall beschäftigte mich ganz am Anfang meines Amts als Mitglied der landrätlichen GPK, die am 19. November 2024 den Kommissionsbericht abgab.


Seit dem 1. Mai 2026 ist die Opferhilfe schweizweit über die nationale Telefonnummer 142 erreichbar. Die kostenlose Hotline bietet Betroffenen von Gewalt sowie deren Angehörigen rund um die Uhr niederschwellige, vertrauliche Beratung und Unterstützung.


Der Kanton Glarus hat seit dem 1. Juli 2026 den Bereich der Gewaltprävention mit einer Gewaltberatung für erwachsene Personen ergänzt. Das Angebot richtet sich an Menschen im Kanton Glarus, die Gewalt ausgeübt haben oder befürchten, in belastenden Situationen gewalttätig zu werden.


«Fast jeder dritte junge Mann in der Schweiz hat ein problematisches Männerbild  – das zeigt eine Studie der Universität Zürich. Zudem befürchtet rund die Hälfte der jungen Männer, dass die 'echte Männlichkeit' zunehmend verdrängt und marginalisiert wird. So zeigen junge Männer häufiger eine Akzeptanz von Gewalt sowie frauen- und queerfeindliche Einstellungen.» SRF News über die Studie «Männlichkeit im Wandel»


Das Gute zum Schluss


Die 1.-August-Rede in Ennenda hielt heute eine meiner Landratskolleginnen. Sie politisiert für die FDP und forderte die Menschen auf, das Träumen nicht aufzugeben. Es war eine gute Rede. Für diesen Blog habe ich die Rede einer meiner Parteigenossinnen ausgesucht. Sie ist Gemeindepräsidentin von Köniz.



Feministische Musik zieht sich in der Schweiz durch alle Szenen und Generationen. SRF Kultur hat Schweizer Songs zusammengestellt, welche die einheimische Frauenbewegung befeuern.



Die Hymne am Ende singt eine Künstlerin aus Benin. Angélique Kidjo erreichte mit ihrem Album Fifa Platz zwölf in den Schweizer Album-Charts (1996). Sie hat am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, Geburtstag.


Französisch ist die einzige Amtsprache in Benin, eingeführt von den Kolonialherren. Insgesamt zählt Benin 53 nationale Sprachen.



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